BdV fordert BU-Versicherung für jedermann

Berufsunfähigkeit von Michael Fiedler

Eine private Vorsorge im Bereich Berufsunfähigkeit gilt auch für Verbraucherschützer als „unbedingt erforderlich“. Damit sie auch für jeden zugänglich ist, stellen BdV und die Verbraucherzentrale NRW drei Forderungen an Politik und Wirtschaft.

Quelle: Fotolia/Daniela Stärk

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Laut 20 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland – also jeder Fünfte – wird laut Statistischem Bundesamt berufsunfähig. Der Körper versagt, die Psyche macht nicht mehr mit: Die Ausübung des Berufs ist nicht mehr möglich. Zurück bleibt oftmals die existenzielle Ungewissheit, wenn auf einmal das Geld für Haus, Familie, Lebensunterhalt ausbleibt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann hier helfen – doch nach Angaben des Versichererverbands GDV verfügen nur rund 30 Prozent der deutschen Haushalte (Stand 2014) über eine solche Absicherung. Auch der Bund der Versicherten (BdV) hält eine private Vorsorge in diesem Bereich für „unbedingt erforderlich“.

Allerdings hat nicht jeder die Möglichkeit, privat vorzusorgen. „Das bestehende Modell der privaten Vorsorge hat sich für viele Berufstätige als untauglich erwiesen und muss dringend reformiert werden“, erläutert Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, die zusammen mit dem BdV ein Positionspapier zum Thema veröffentlicht hat. Denn viele Menschen bekämen aufgrund von Vorerkrankungen oder einem als risikoreich geltenden Beruf keinen bezahlbaren Versicherungsschutz. „Politik und Versicherungswirtschaft sind daher gefordert, allen einen erleichterten Zugang zu privaten qualifizierten Arbeitskraftabsicherungen zu ermöglichen und ihnen hierbei eine fachliche Unterstützung bei Vertragsschluss und der Leistungsstellung – falls nötig gesetzlich – fest zur Seite zu stellen“, sagt Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des BdV. Aus diesem Grund halten BdV und die Verbraucherschützer aus NRW eine Rückkehr zum gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz für „absolut notwendig“  und stellen drei Forderungen an Versicherungswirtschaft und Politik.

1. Zugangserleichterung zur privaten qualifizierten Arbeitskraftabsicherung

Gefordert wird hier, die Berufsgruppen größer zu fassen, damit größere Kollektive entstehen, die einen besseren Risikoausgleich ermöglichen. Alternative Formen einer qualifizierten Arbeitskraftabsicherung könnten darüber hinaus dazu beitragen, den Versicherungsschutz bezahlbar zu gestalten.

Auch sollten die Versicherer nicht mehr bestimmte Vorerkrankungen wie Diabetes oder psychische Erkrankungen komplett aus dem Versicherungsschutz ausschließen, sondern stattdessen eine alternative Form einer qualifizierten Arbeitskraftabsicherung anbieten.

2. Versicherungsnehmer auf Augenhöhe mit Versicherungsunternehmen

Hier sehen BdV und die Verbraucherzentrale NRW ein massives Ungleichgewicht zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer – um dieses abzubauen, seien professionelle und flächendeckende Beratungsangebote unter anderem zu den Themen Antragsstellung (insbesondere Gesundheitsfragen), Beantragung der Rente, außergerichtliche Durchsetzung von Ansprüchen und gutachterliche Auseinandersetzungen bezüglich des Gesundheitszustands und des Berufsbilds notwendig. Ein Feld also, das unmittelbar die Tätigkeit des Maklers berührt, der hier wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten hat, wenn er eine BU vermittelt.

Den Kunden sollten von Seiten der Versicherer zudem verbesserte Möglichkeiten zur Nachprüfung und Nachforderung geboten werden. „Die Versicherer sollten hierbei rechtlich verpflichtet sein, den Versicherungskunden vor der Anfechtung beziehungsweise vor dem Rücktritt von einem Vertrag sowie vor einer Vertragsanpassung zunächst Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben“, heißt es im Positionspapier.

3. Transparenz in Form von Offenlegung der gesamten Datengrundlage

Hier wird bemängelt, dass es keine öffentlich zugängliche ausreichende Datengrundlage zur Kalkulation der Prämie für eine qualifizierte Arbeitskraftabsicherung gebe. „Deshalb ist die Offenlegung der Kalkulations- und Rechnungsgrundlagen sowie die Zusammenführung der Daten der privaten Versicherer mit denen der gesetzlichen Rentenversicherung notwendig. Diese breite Datengrundlage sollte als Basis für die Kalkulation zur Risikoberechnung von Berufsunfähigkeit dienen und daher öffentlich zugänglich gemacht werden.“

Eine Forderung, die bei Praktikern auf Unverständnis stoßen dürfte, denn mit Kalkulationsgrundlagen – etwa Sterbetafeln 1. und 2. Ordnung – und deren Interpretation wollen sich die wenigsten Kunden auseinandersetzen. Zu fragen wäre hier, ob nicht transparente Annahmerichtlinien und mehr Aufklärung über den Sinn detaillierter Antragsfragen eher im Interesse des Kunden lägen.

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