Ökonomen bewerten Rentensystem als unsolide

Berater von Martin Thaler

Kann das Rentensystem langfristig eine zum Leben angemessene Rente garantieren? Die Mehrheit der deutschen Ökonomen verneint das und plädiert für ein höheres Renteneintrittsalter. Welche Vorschläge die Wirtschaftsprofessoren sonst noch haben.

Das Münchener Ifo-Institut.

Das Münchener Ifo-Institut. Foto: Ifo-Institut

64,2 Jahre – so hoch ist derzeit das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland. Bleibt das Tempo der derzeitigen Entwicklung konstant, steigt das Renteneintrittsalter bis 2030 auf 65 Jahre.   Fragt man zu dieser Entwicklung deutsche Wirtschaftsprofessoren, kommen diese mehrheitlich zu dem Schluss: Das reicht nicht. Einer Umfrage des Ökonomenpanels zufolge, das vom Ifo-Institut und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung durchgeführt wird, halten zwei Drittel der deutschen Wirtschaftsprofessoren das derzeitige gesetzliche Rentensystem für nicht solide genug aufgestellt.  

Damit das System eine zum Leben reichende Rente garantieren kann, müsse das Renteneintrittsalter geändert werden – das sagten 85 Prozent der 160 Befragten. Die meisten Teilnehmer sprachen sich dabei für eine dynamische Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung oder für ein Eintrittsalter zwischen 68 und 70 Jahren aus.  

35 Prozent sprachen sich für ein geringeres Rentenniveau aus, die Einbeziehung Selbstständiger bzw. Beamter in die Gesetzliche Rentenversicherung befürworten 26 Prozent der Befragten. Höhere Rentenbeiträge sind für 24 Prozent ein geeignetes Mittel, die gleiche Zahl befürwortet höhere Steuerzuschüsse.  

Im Hinblick auf eine zusätzliche verpflichtende private oder betriebliche Altersvorsorge ergab sich unter den Befragten kein einheitliches Meinungsbild. 42 Prozent sahen eine verpflichtende private oder betriebliche Altersversorgung positiv, die gleiche Anzahl sprach sich dagegen aus. 16 Prozent wollten sich bei dieser Frage nicht eindeutig festlegen.  

Vergangene Woche hatte sich GDV-Präsident Alexander Erdland gegen eine Renteneintrittsalter-Debatte ausgesprochen: „Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen.“

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