„Längeres Arbeiten kann kein Rentenniveau garantieren“

Berater von Michael Fiedler

Um die gesetzliche Rente zu stabilisieren, soll immer länger gearbeitet werden. GDV-Präsident Dr. Alexander Erdland warnt davor, die Rentendebatte mit immer höheren Angaben zum gesetzlichen Renteneintritt zu führen.

Dr. Alexander Erdland

Dr. Alexander Erdland bei der Vorstellung der Prognos-Studie in Berlin. Bild: procontra/Morgenstern

Sollen die Rentenbeiträge stabil bleiben, müsse das Renteneintrittsalter erhöht werden, errechnete kürzlich das Institut der Deutschen Wirtschaft (procontra berichtete: Droht die Rente mit 73?).
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt das Analysehaus Prognos im Rahmen einer Studie die im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erstellt wurde.

„Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70“

Das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland liegt derzeit bei 64,2 Jahren. Nimmt man an, dass das Tempo der derzeitigen Entwicklung konstant bleibt, steigt das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Deutschland bis 2030 auf 65 Jahre.
Allerdings würde das Rentenniveau um 1,1 Prozent steigen, wenn die Deutschen 2030 tatsächlich bis zu ihrem 67. Geburtstag arbeiten würden.
In Kaufkraft von heute entspricht das 200 Euro bei einer durchschnittlichen Jahresrente. Mit 21 Prozent läge der Rentenbeitragssatz dabei 0,9 Prozentpunkte unter dem Niveau, das bei Fortschreibung der aktuellen Entwicklung erreicht würde. „Wir brauchen keine Debatte über eine Rente mit 70. Wir sollten zunächst alles daran setzen, das gesetzliche Ziel von 67 Jahren auch real zu erreichen“, so Alexander Erdland, Präsident des GDV, gestern in Berlin bei der Vorstellung der Studie.

Oliver Ehrentraut (Prognos AG) erkennt hingegen wesentliche Vorteile in einer stetigen Verlängerung der Lebensarbeitszeit: „Das Rentenniveau ist höher, die Beitragssätze niedriger – und auch für den Arbeitsmarkt und den Bundeshaushalt gibt es Entlastung.“
Prognos geht dabei von einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit bis 2040 von sieben Monaten aus. Im Ergebnis läge dafür das Rentenniveau bei 42,2 Prozent – und damit um 0,5 Prozentpunkte über dem Niveau des Basis-Szenarios. Der Rentenbeitragssatz läge in diesem Fall bei 23,2 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte unter dem Ausgangsszenario.

„Aber klar ist: Auch längeres Arbeiten kann kein Rentenniveau garantieren, wie wir es von früher kennen. Das geht nur, wenn wir alle drei Säulen der Altersvorsorge stärken. Also auch die betriebliche und private Vorsorge.“ Gegenüber procontra sprach sich Erdland dafür aus, dass Riester-Guthaben nicht mit der Grundsicherung verrechnet werden. Auch die Erhebung von KV- und SV-Beiträgen auf bAV-Auszahlungen sollen ein Ende finden, so Erdland. Auf diese Weise könne die private Vorsorge gestärkt werden.

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