„FinTechs fehlt der strukturelle Ansatz“

Berater Top News Digital von Martin Thaler

In der kommenden und übernächsten Woche findet die Fachmesse „Pools und Finance“ statt. procontra sprach mit BCA-Chef Oliver Lang darüber, was Messebesucher in diesem Jahr erwarten können und welche Veränderungen das Thema Digitalisierung für den Makler mit sich bringt.

BCA-Vorstand Oliver Lang

BCA-Vorstand Oliver Lang. Foto: BCA

procontra: Die Pools & Finance hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Wie bewerten Sie die ersten fünf Jahre?

Oliver Lang: Ich glaube, die Pools & Finance hat einen gewissen Charme. Wir haben zwei weitere Leitmessen – den Fonds-Kongress im Januar und die DKM im Herbst. Die eine steht für Investment, die andere für Versicherungen. Die Pools & Finance ist hier die Schnittpunktmesse zwischen beiden Bereichen. Für mich ist es das dritte Standbein der Branche für all diejenigen, die ein wenig generalistischer ausgerichtet sind.

procontra: Erst in Darmstadt, dann Frankfurt am Main – nun teilen Sie auf Nürnberg und Hamburg auf. Was waren die Gründe für diese Neukonzeptionierung?

Lang: Wir haben in der Auswertung unserer Besucher festgestellt, dass es da gewisse Cluster gibt. Die Idee war einfach zu schauen: Wo sind unsere Kunden? Und da bringen wir dann die Messe hin. Ganz persönlich glaube ich auch, dass es die Pools & Finance irgendwann an drei Standorten geben könnte, also Nord, Mitte, Süd.

procontra: Auch beim Veranstalterkreis hat es wieder Veränderungen gegeben. Wie bewerten Sie diese?

Lang: Wir haben eine atmende Messe mit einem flexiblen Veranstalterkreis. Jeder Pool kann für sich entscheiden, ob es sich im nächsten Jahr für ihn noch lohnt – schließlich ist eine Teilnahme auch immer eine Investition. Diese Varianzen im Veranstalterkreis halte ich deswegen für zeitgemäß und auch spannend für die Besucher, da diese immer wieder etwas Neues sehen.

procontra: Erstmals sollen in diesem Jahr Kongresse zu aktuellen Branchenthemen stattfinden – eine erste Maßnahme des neuen Veranstalters bbg?

Lang: Ja, aber nicht ohne Abstimmung mit den Pools. Ich halte es aber für wichtig, dass die Pools und Kongressverantwortlichen dies nicht als verkappte Verkaufsveranstaltung begreifen, sondern als Bühne für wichtige und inspirierende Themen.

procontra: Das heißt konkret?

Lang: Die BCA wird sich ja mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Da wird es dann nicht um das Thema „Digitalisierung bei BCA“ gehen, sondern um alles, was sich unter dem Thema subsumieren lässt. Am Ende geht es darum, dass der Makler weiß, wie das Thema sein Geschäft betrifft und wie er sich in diesem herausfordernden Umfeld optimal aufstellt.

procontra: Auch heute bringt die Digitalisierung die Branche bereits ordentlich durcheinander. Immer neue Versicherungs-Apps strömen auf den Markt – bereitet Ihnen diese Entwicklung Sorgen?

Lang: Also, ich glaube nicht an eine Welt, in der die sogenannten Bestandsräubermodelle eine Zukunft haben. Spätestens wenn der Endkunde ein FinTech mit einer Maklervollmacht ausstattet, dieses den Auftrag aber gar nicht annimmt und nur den Bestand des Kunden einbucht, bleibt ja die Frage: Wo ist da der Mehrwert für den Kunden? Ich glaube aber, dass man sich dem Thema von einer anderen Seite nähern kann. Wenn ein Makler beim Thema Digitalisierung mitspielen will, fängt es ja bereits bei seiner Homepage an – diese ist schließlich seine Visitenkarte. Das ist ein Aspekt, der nicht vernachlässigt werden sollte.

procontra: Und darüber hinaus?

Lang: Der Makler sollte technisch dazu in der Lage sein, all die verfügbaren Daten, die er hat, zusammenzutragen und eine Bestands- und Vertragsübersicht zu erhalten. Wenn er dann noch alle Prozesse von einer einzigen Oberfläche ansteuern kann, bin ich ja auch schon mal einen entscheidenden Schritt weiter.

procontra: Was heißt das denn aber im Hinblick auf die vielen neuen Apps am Markt?

Lang: Die richten sich in erster Linie an eine technikaffine Minderheit. Der Großteil der Menschen braucht doch erst einmal einen Berater, einen Anstoß, überhaupt Altersvorsorge oder Absicherung zu betreiben. Das hört ja nicht beim Thema Hausrat auf, sondern erstreckt sich über Zahnzusatz-, Pflege- und Krankenversicherung – also sehr beratungsintensive Themen. Und da kann ich bislang in der FinTech-Welt keine Entwicklung erkennen, die dieses Thema umfassend darstellen kann. Auch der strukturelle Ansatz fehlt doch.

Warum Oliver Lang bei vielen FinTech-Unternehmen steigende Tarife erwartet, warum Datenlieferungen für ihn derzeit katastrophal sind und was die Digitalisierung für das Maklerprofil der Zukunft bedeutet, lesen Sie in der kommenden Printausgabe der procontra (ab 3.6. im Handel).

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare