bAV im Ausland: Worauf Arbeitgeber achten müssen

Berater von Michael Fiedler

Welche Regeln gelten bei der Zahlung der Betriebsrente ins Ausland? Worauf bei Steuerfragen zu achten ist, wie mit SV-Beiträgen zu verfahren ist und warum Überweisungskosten nicht zu unterschätzen sind, fasst Mark Walddörfer (Longial) zusammen.

bAV im Ausland: Für Arbeitgeber steigt der Verwaltungsaufwand

bAV im Ausland: Für Arbeitgeber steigt der Verwaltungsaufwand Fotolia/ BillionPhotos.com

Knapp 226.000 Rentner erhielten 2015 monatlich ihre Rentenzahlung im Ausland. Das bedeutete einen Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch nicht nur bei der gesetzlichen Rentenversicherung, auch bei der betrieblichen Altersversorgung (bAV) nimmt die Anzahl der Bezugsberechtigten zu, für die Unternehmen die Betriebsrente ins Ausland überweisen. „2010 haben wir noch 1,04 Prozent der Renten an Versorgungsberechtigte im Ausland in 23 verschiedenen Staaten gezahlt. 2016 hat sich der Anteil auf 2,00 Prozent Bezugsberechtigte in über 30 verschiedenen Staaten nahezu verdoppelt“, so Mark Walddörfer, Geschäftsführer bei der Longial.

Nachweis- und Steuerpflicht

Werden Betriebsrenten ins Ausland überwiesen, gelten die gleichen Grundregeln wie in Deutschland. Wer einen Rentenanspruch hat, muss ihn bei seinem früheren Arbeitgeber geltend machen und nachweisen.
Grundsätzlich sind bAV-Auszahlungen steuerpflichtig – auch wenn die Auszahlung ins Ausland erfolgt. Welches Steuerrecht gilt, sei vom Bezugsberechtigten zu prüfen, so Walddörfer. „Entscheidend dafür ist unter anderem, ob der Versorgungsberechtigte noch einen Wohnsitz in Deutschland hat, wie oft beziehungsweise wie lange er ihn im Jahr nutzt oder ob er vollständig ins Ausland verzogen ist“, so der Experte weiter.

Um Doppelbesteuerung zu vermeiden, sollten sich Rentner, die ihren Lebensabend im Ausland verbringen wollen, an das Finanzamt Neubrandenburg wenden: Dieses ist zentral zuständig für Auslandsrenten.

Betriebsrente im Ausland: Werden Sozialversicherungsbeiträge erhoben?

Betriebsrenten unterliegen der Sozialversicherungsbeitrags-Pflicht. Dies gilt aber natürlich nur für Rentenbezieher, die in den deutschen Sozialversicherungen versichert sind. „Besteht in Deutschland keine gesetzliche Kranken- oder Pflegeversicherung mehr, muss der ehemalige Arbeitgeber hier auch keine entsprechenden Beiträge abführen beziehungsweise einbehalten“, ergänzt Mark Walddörfer.

Kostenfalle Überweisung

Soll die Betriebsrente ins Ausland überwiesen werden, hat der Versorgungsberechtigte die Kosten für die Überweisung zu tragen. Und die können erheblich sein. Für Überweisungen außerhalb des SEPA-Raums verlangen die Kreditinstitute teilweise Gebühren von 0,1 bis 0,15 Prozent des Überweisungsbetrages, zeigt eine Stichprobe von Longial. Auch Mindestgebühren, die zwischen 8 und 15 Euro je Überweisung betragen, werden erhoben.
Da die Betriebsrente in Euro geschuldet wird, gehen Wechselkursschwankungen zu Lasten des Empfängers.

Prüfpflichten für Arbeitgeber

Zwar sind die Kosten für den Rentenbezug im Ausland größtenteils vom Rentenempfänger zu tragen. Doch auch für Unternehmen entsteht ein deutlich höherer Bearbeitungsaufwand. Das gelte insbesondere dann, wenn es sich um ehemalige ausländische Mitarbeiter handelt, die nach ihrer aktiven Zeit wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. So müssen dann Bescheinigungen, beispielsweise Lebensbescheinigungen oder Sterbeurkunden ausländischer Behörden, meist in der Landessprache ausgefertigt sein. „Zudem gelten häufig andere Rechtsgrundlagen, die der ehemalige Arbeitgeber meist nicht kennt“, erläutert der Experte der Longial und nennt zwei typische Fragen: Kann eine Betriebsrente im Ausland gepfändet werden? Muss der Arbeitgeber einen Pfändungsbeschluss im Ausland gegen sich gelten lassen?

Ein weiterer Punkt betrifft die Hinterbliebenenversorgung. Wenn sich Hinterbliebene melden und die Hinterbliebenenrenten geltend machen, muss deren Rentenberechtigung geprüft werden. Das bedeutet beispielsweise, dass der Arbeitgeber sich vergewissern muss, ob eine Ehe bestand und bis wann. Zudem muss er klären, ob die Waisen tatsächlich berechtigt sind, eine Waisenrente zu beziehen.
Unternehmen mit Pensionsverpflichtungen sollten auf Fragen dieser Art vorbereitet sein.

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