„Bargeld ist nicht mehr zeitgemäß“

Berater Top News von Hans-Jürgen Bretzke

Hans-Jürgen Bretzke, Vorstand des Illertissener Maklerverbundes FondsKonzept AG, macht sich im digitalen Zeitalter für eine Abschaffung von Banknoten und Münzen stark. Sein Kommentar ist eine Replik auf „Rettet das Bargeld“ von Max Otte.

Hans-Jürgen Bretzke

FondsKonzept-Chef Hans-Jürgen Bretzke wird dem Bargeld keine Träne nachweinen, wenn es abgeschafft werden sollte. Warum, erklärt er Gastbeitrag. Bild: Martin Thaler/procontra

Bargeldloses Zahlen legt auch in Deutschland zu. Dieses Ergebnis einer aktuellen Erhebung zur Bargeldabschaffung gab my.marktforschung.de in der vergangenen Woche bekannt. Anders als ihre europäischen Nachbarn gelten die Deutschen nach wie vor als Fans von Bargeld.
Dies ist nicht nachvollziehbar. So wird laut der Studie hierzulande bereits heute beim Einkauf von Mode, Technik und Wohnartikeln die EC-Karte häufiger eingesetzt als Bares. Lediglich bei alltäglichen Käufen von Lebensmitteln oder Drogeriebedarf wird noch in Materie gezahlt. Die Nutzung von Bargeld bringt bei genauerer Betrachtung nur Nachteile mit sich. Offensichtlich sind das Verlust- und Diebstahlrisiko sowie die unhygienische Verwendung im Alltag.

Die für die Bargeldvorhaltung notwendige Infrastruktur tragen die Verbraucher über Steuern, Bankgebühren und Handlingsaufschläge des Einzelhandels. Zu nennen sind hier der Druck, Ersatz und die Distribution der Zahlungsmittel sowie die Bestückung von mehr als 56.000 Geldausgabeautomaten mit der entsprechenden Hardware und Unterhaltung. Hinzu kommen Kosten für Sicherheitsdienste und Geldtransporter sowie Versicherungen für das Überfallrisiko. Nicht zu vergessen ist die Papierherstellung und Münzprägung mit unnützem Verbrauch von wertvollen Rohstoffen. Die Ökobilanz von Bargeld ist negativ.

Bargeld begünstigt Kriminalität

Darüber hinaus begünstigt es Schwarzarbeit, Schattenwirtschaften, Drogenkriminalität und Prostitution. Selbst Gegner einer Abschaffung können nur noch ideologische mit Scheinsicherheiten wie eine Beraubung von demokratischen Freiheiten vorbringen. Ihre Vorbehalte sind deckungsgleich mit dem Lager der Euroskeptiker. So ist die volkswirtschaftliche Abhängigkeit von Banken auch mit Bargeld gegeben. Ein Zusammenbruch des Bankensystems ließe sich nicht durch Bargeld kompensieren, da dann die Verteilung lahmgelegt würde. Barmittel besitzen keinerlei materiellen Wert – diesen erhält es erst durch Garantien der Notenbank und des Staates.

Gerade die Deutschen kennen diese Tatsache aus ihrer Historie mit insgesamt sechs Währungsreformen in 150 Jahren. Zudem wird Bargeld in Zeiten der Digitalisierung mit der fortschreitenden Nutzung von mobilen Bezahlsystemen noch unvorteilhafter. Es ist offensichtlich, dass unsere Zukunft papierlos wird. Schaffen wir das angestaubte Relikt aus vergangenen Jahrhunderten so schnell wie möglich ab – wir werden ihm keine Träne nachweinen.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare