Risikoleben: Welche Abzüge im Todesfall drohen

Versicherungen von Oliver Lepold

Je nach Versicherungsnehmer, versicherte Person und Bezugsberechtigter fällt die Regelung im Erbfall unterschiedlich aus. Wie genau, zeigen folgende drei Praxisbeispiele

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Berater sollten vor Abschluss der Risikolebensversicherung prüfen, wie die Auszahlung im Todesfall erfolgt und welche erbschaftsrechtlichen Konsequenzen dies hat. Mit einer klugen Wahl kann vermieden werden, dass für die Hinterbliebenen Erbschaftsteuer anfällt. Hierzu muss zwischen Versicherungsnehmer (wer bezahlt die Beiträge?), versicherter Person (wessen Tod ist abgesichert?) und Bezugsberechtigtem (wer erhält die Absicherungssumme im Leistungsfall?) unterschieden werden.

Sind Versicherungsnehmer, versicherte Person und Bezugsberechtigter identisch, fällt die Versicherungssumme im Leistungsfall in den Nachlass. Ist eine andere Person begünstigt, wird die Versicherungssumme direkt an diese ausgezahlt. Bei beiden Varianten ist die Auszahlung nur dann steuerfrei, wenn die Erbschaftsteuerfreibeträge (bei Ehegatten 500.000 Euro zuzüglich Versorgungsfreibetrag) nicht überschritten werden. Das kann allerdings schnell der Fall sein, wenn zum Beispiel auch eine Immobilie vererbt wird.

Legende:
VN = Versicherungsnehmer
VP  = Versicherte Person
BB = Bezugsberechtigter

 

Beispiel 1

Ehemann = VN+VP; Ehefrau = BB
Versicherungsnehmer und Versicherter ist Herr Wächter. Bezugsberechtigt ist seine Lebenspartnerin. Stirbt Herr Wächter, erhält seine Partnerin die Versicherungsleistung als Bezugsberechtigte. Es handelt sich um einen Erwerb von Todes wegen, der unter das Erbschaftsteuergesetz fällt. War Herr Wächter nicht mit seiner Partnerin verheiratet, so muss sie nach Abzug des geringen Freibetrages von 20.000 Euro (und etwaiger sonstiger Freibeträge) mit mindestens 30 % Erbschaftsteuer rechnen.

 

Beispiel 2 

Ehemann = VP; Ehefrau = VN+BB
Versicherungsnehmerin und Bezugsberechtigte ist Frau Meier. Versicherter ist Herr Wächter, ihr Lebenspartner. Stirbt Herr Wächter, erhält Frau Meier die Versicherungsleistung aus einem von ihr selbst abgeschlossenen und mit eigenen Beiträgen bezahlten Versicherungsvertrag. Die Versicherungsleistung stammt dann aus ihrem eigenen Recht und gilt nicht als Erwerb von Todes wegen. Folge: Erbschaftsteuer fällt nicht an.


Beispiel 3

Ehemann = VN+BB; Ehefrau = VP
Genau umgekehrt wird vorgegangen, wenn die Partner sich gegenseitig steuergünstig absichern wollen: Herr Wächter schließt als Versicherungsnehmer und Bezugsberechtigter einen getrennten Versicherungsvertrag ab; Frau Meier ist versicherte Person. Das Ergebnis ist analog zu Beispiel 2: Stirbt Frau Meier, erhält Herr Wächter die Versicherungsleistung aus einem von ihm selbst abgeschlossenen und mit eigenen Beiträgen bezahlten Versicherungsvertrag. Erbschaftsteuer fällt nicht an.

Für den Fall, dass der Versicherungsnehmer den Versicherten nicht überlebt, kann man Vorsorge treffen und bei Vertragsabschluss eine Vereinbarung treffen. So könnte in unserem Beispiel 2 bei vorzeitigem Tod von Frau Meier die Stellung des Versicherungsnehmers auf Herrn Wächter übergehen. Damit entsteht die Situation aus Beispiel 1: Versicherungsnehmer und Versicherter sind personengleich. Eine solche Übertragung der Versicherungsnehmer-Eigenschaft muss der Versicherer dem zuständigen Finanzamt anzeigen, das prüft, ob bereits bei Übertragung Erbschaftsteuer anfällt.

Mit einer verbundenen Risikolebensversicherung (Partner-Versicherung) lässt sich ein gewünschtes steuerliches Ergebnis leider nicht so eindeutig erzielen wie mit getrennten Verträgen auf jeweils ein Leben. Stirbt hier einer der beiden Partner, so bekommt der überlebende Partner die Versicherungssumme ausgezahlt. Steuerlich ist hier zu beachten, dass eine Auszahlung erbschaftsteuerpflichtig wird, wenn sie nicht an den Versicherungsnehmer ausgezahlt wird. Ist diese Person verstorben, so fällt für den Partner in voller Höhe Erbschaftsteuer an. Darum kann es von Fall zu Fall vorteilhafter sein, statt einer Partner-Versicherung zwei getrennte Lebensversicherungen abzuschließen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass die Beiträge tatsächlich vom jeweiligen Versicherungsnehmer gezahlt werden, damit das Finanzamt später nicht bezweifeln kann, dass die Versicherungsleistung aus eigenem Recht entstanden ist.

Weiterführende Informationen finden Sie hier: 

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