Assekuranz hinkt eigenen Ansprüchen hinterher

Versicherungen Top News von Stefan Terliesner

Umfrage: Chief Investment Officer wollen stärker in Schwellenländer, Infrastruktur und Immobilien investieren. Noch aber geschieht wenig. Immerhin erhöhen viele Versicherer die Aktienquote.

Das künstlich niedrige Zinsniveau in vielen Industriestaaten macht der deutschen Assekuranz schwer zu schaffen. Warum eigentlich? Gibt es auf der Welt nicht genug Chancen, langfristig auskömmliche Renditen zu erzielen? Offenbar treibt diese Frage immer mehr Anlagestrategen in den europäischen Versicherer um. Laut einer Umfrage von Boston Consulting Group und AXA Investment Managers unter „fast 30“ Chief Investment Officer, planen „immer mehr, in alternative Renditetreiber zu investieren“. Die Mehrzahl der befragten Versicherer wolle bis zu 10 Prozent ihrer Portfolios unter anderem in Anleihen aus Schwellenländern, Infrastruktur und Immobilien anlegen (siehe Grafik).


Quelle: Boston Consulting Group, AXA Investment Managers: European Insurance CIO survey

Dazu laut Pressetext Laurent Seyer, Global Head of Multi-Asset Client Solutions bei AXA IM: „Wer sein Anlageportfolio als erstes diversifiziert und dazu in die attraktivsten Asset-Klassen investiert, ist klar im Vorteil. Wie diese Umfrage zeigt, reden die Versicherer zwar über Diversifikation, aber umgesetzt wurde bislang nur wenig. Wegen der Finanzkrise und aufsichtsrechtlicher Änderungen halten die Versicherer an ihren festverzinslichen Wertpapieren fest.“ Bisher würden die meisten Portfolios nur 2 bis 3 Prozent alternative Investments aufweisen.

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung – dies legt die Umfrage nah – könnte sein, dass gerade kleine und mittlere Versicherer nicht über die Kompetenz verfügen, alternative Anlagen bewerten und steuern zu können. Eine Option wäre die Auslagerung des entsprechenden Anlagegeschäfts. Laut Umfrage zeigen sich die kleinen und mittleren Versicherer zumindest bei Investments in Hochzinsanleihen, Infrastruktur und Kredite aufgeschlossen dafür.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die aktuelle Vermögensaufteilung der deutschen Lebensversicherer. Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren sie Ende 2012 im Schnitt zu 89,3 Prozent in Anleihen investiert (inklusive Nachränge und Genussrecht von insgesamt 1,9 Prozent). Auf Aktien entfiel ein Anteil von 2,7 Prozent, auf Beteiligungen 2,5 Prozent, auf Immobilien 3,8 Prozent und auf Sonstige 1,7 Prozent. Auch diese Zahlen belegen: Da ist noch Luft nach oben.

An zu strengen Regulierungsvorgaben allein liegt es aber nicht.  Denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erlaubt einen Anteil des so genannten „Risikokapitals“ von maximal 35 Prozent der gesamten Kapitalanlagen. Unter „Risikokapital“ versteht die BaFin neben Aktien unter anderem privates Beteiligungskapital, Hedgefonds, Hochzinsanleihen sowie Genussrechtkapital und Nachrangdarlehen.  

Dass die 35-Prozent-Quote bei weitem nicht ausgeschöpft wird, liegt nach Angaben einer GDV-Sprecherin auch daran, dass sich Versicherer grundsätzlich an ihren langfristigen Verpflichtungen orientieren. Konkret: Fest Zinserträge über zehn, zwanzig oder mehr Jahre lassen sich präzise kalkulieren; Gewinne aus Aktienanlagen nicht. Innerhalb der Assekuranz gibt es bei der Aktienquote  große Unterschiede. In den vergangenen ein bis zwei Jahren jedoch haben etliche Versicherer ihre Aktienengagement deutlich ausgebaut, zum Teil verdoppelt – darunter zum Beispiel Alte Leipziger, Arag, DEVK und Hallesche. Mit 1 Prozent sehr niedrig ist die Aktienquote des Talanx-Konzerns.

Seite 2: Keine Erhöhung der Aktienquote beim Branchenprimus

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