Droht die Rente mit 73?

Berater von Martin Thaler

Der demographische Wandel macht sich in Deutschland immer stärker bemerkbar. Will man die Rentenbeiträge konstant halten, geht kein Weg an einer Erhöhung des Renteneintrittsalters vorbei, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft errechnet.

Um die Rentenbeiträge konstant zu halten, müssen die Deutschen womöglich immer länger arbeiten.

Um die Rentenbeiträge konstant zu halten, müssen die Deutschen womöglich immer länger arbeiten. Foto: highwaystarz - fotolia.de

Für die umlagenfinanzierte Gesetzliche Rente wird der demographische Wandel immer mehr zum Problem. Denn immer mehr Rentner stehen immer weniger Beitragszahler gegenüber – seit den 1970er-Jahren liegt die Geburtenrate unter 2,1 Kindern pro Frau. Diese Rate wäre notwendig, um das Bevölkerungssystem stabil zu halten. Verschärfend kommt hinzu, dass die sogenannten Babyboomer mittlerweile nach und nach in Rente gehen und aus dem Erwerbsleben ausscheiden – das Verhältnis zwischen Beitragszahler und Rentner verschiebt sich somit immer mehr. Bereits bis 2030 soll der Anteil der Über-67-Jährigen um etwa ein Drittel zulegen.

Eine Option, um das System zu stabilisieren, wären natürlich höhere Rentenbeiträge. Doch will man diese vermeiden, müssen die Deutschen länger arbeiten. Doch wie lange?

Dies hat das Institut der Deutschen Wirtschaft nun berechnet: Vereinfach wurde dazu angenommen, dass 75 Prozent jeder Altersgruppe in der Gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind. Betracht haben die Forscher dabei das Erwerbspersonenpotenzial – alle Personen zwischen 20 und dem Renteneintrittsalter – und die potenziellen Rentner, also alle Personen ab Renteneintrittsalter.  Um die Berechnung zu vereinfachen, schließen die Forscher zudem Frühverrentung bzw. Arbeiten jenseits der Regelaltersgrenze aus – die Regelaltersgrenze entspricht also dem Renteneintrittsalter.

Legt man dies alles zugrunde, ergibt sich für 2013 ein Rentenquotient von 34 Prozent – das heißt auf jeden Rentner kommen noch drei Erwerbstätige. Sollte dieser Quotient beibehalten werden und dabei höchstens ein Prozent übersteigen, müssten die Deutschen wesentlich länger arbeiten.

Renteneintrittsalter könnte auf 73 Jahre steigen

Das Renteneintrittsalter würde 2030 bereits bei 69 Jahren liegen, fünf Jahre später bereits bei 71 Jahren. Ab 2041 könnte es dann bei 73 Jahren konstant gehalten werden. Selbst wenn der Rentenquotient großzügiger ausgelegt wird und beispielsweise bei 45 Prozent angelegt wird, droht den Deutschen eine Verschiebung des Renteneintrittsalters. 2036 würde dieses bei 69 Jahren liegen, 2045 dann auf 70 Jahre erhöht werden.

Nur bei einem Rentenquotienten von maximal 50 Prozent würde das Renteneintrittsalter ab 2039 nur um ein weiteres Jahr auf 68 Jahre statt der gegenwärtig gesetzlich festgelegten 67 Jahre steigen.

Letzterer Fall sei jedoch zu optimistisch, urteilen die Forscher: „So müsste unter anderem die Frühverrentung sowie die Verrentung aufgrund von Erwerbsminderung drastisch zurückgehen und es müssten sehr viel mehr Personen als heute jenseits der Regelaltersgrenze arbeiten, um ein tatsächliches durchschnittliches Renteneintrittsalter von 67 beziehungsweise 68 Jahren zu realisieren.“

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