Aufsicht schlägt Alarm

Versicherungen von Stefan Terliesner

BaFin-Präsident warnt vor Niedrig-Zinsen: Banken bräuchten ein neues Geschäftsmodell und die ersten Pensionskassen bekommen schon bald ernste Probleme.

Felix Hufeld

BaFin-Präsident Felix Hufeld © frank-beer.com / BaFin

Deutschlands Finanzaufseher läuten die Alarmglocken. Die heutige Jahrespressekonferenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) stand primär im Zeichen des Dauerzinstiefs.
Das niedrige Zinsniveau bereite nicht mehr nur Lebensversicherern und Bausparkassen Probleme, sagte laut Pressemitteilung BaFin-Präsident Felix Hufeld. Es mache sich in den Bilanzen der gesamten Bankenbranche bemerkbar. Institute, deren Geschäftsmodell vor allem auf Zinserträgen und Fristentransformation basiere, täten sich immer schwerer damit, auf lange Sicht auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Man müsse sich möglicherweise irgendwann die Frage stellen: „Wie muss ein Geschäftsmodell beschaffen sein in einer Welt, in der der klassische Zinsertrag vielleicht nur noch eine untergeordnete Rolle spielt?“

Gefahr Zinsänderung

Raimund Röseler, Exekutivdirektor der Bankenaufsicht, führte aus, dass gerade Institute mit breiter Kundschaft im Einlagen- und Kreditgeschäft vom Niedrigzinsniveau betroffen seien. „Mittlerweile weisen deutlich mehr als 50 Prozent aller Kreditinstitute erhöhte Zinsänderungsrisiken auf, Tendenz steigend“, erläuterte Röseler. Noch in diesem Jahr werde man beginnen, im Rahmen des SREP (Supervisory Review and Evaluation Process) für alle rund 1.600 Institute, die die BaFin direkt beaufsichtigt, einen Kapitalaufschlag festzusetzen, um die Zinsänderungsrisiken zu unterfüttern.

Leistungen unter Druck

Frank Grund, Exekutivdirektor der Versicherungsaufsicht, bekräftigte, dass das Niedrigzinsniveau die Lebensversicherer belaste. Dass sie sich verstärkt auf riskante Vermögenswerte stürzten, um ihre Garantiezusagen erfüllen zu können, könne die BaFin derzeit aber nicht bestätigen – auch nicht, was die kleineren Unternehmen angehe. Noch mehr als die Lebensversicherer litten allerdings die Pensionskassen unter dem niedrigen Zinsniveau. Einzelne könnten bald möglicherweise nicht mehr aus eigener Kraft ihre Leistungen in voller Höhe erbringen. „Mit ihnen besprechen wir aktuell, wie es weitergehen kann“, sagte Grund. Die Pensionsberechtigten stünden aber nicht ohne Schutzmechanismen da. Diese würden möglicherweise bald einem Praxistest unterzogen.

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