Wohnungsmarkt: „Berlin fehlt es an einer Vision“

Sachwerte Top News von Matthias Hundt

Auf den ersten Blick hatte die Mietpreisbremse in Berlin nur kurzfristige Effekte. Jan Hebecker, Leiter der Analyse bei ImmobilienScout24, nennt die Gründe dafür und erklärt, welche Maßnahmen nachhaltiger wären als eine Regulierung der Mietpreise.

Jan Hebecker, Leiter der Analyse bei ImmobilienScout24

Jan Hebecker, Leiter der Analyse bei ImmobilienScout24 Bild: Matthias Hundt / procontra-online

procontra: Als erstes Bundesland führte Berlin im Juni vergangenen Jahres die Mietpreisbremse ein. Welche Effekte konnten Sie feststellen?

Jan Hebecker: Direkt nach Inkrafttreten des Gesetzes gingen die Angebotsmieten tatsächlich um rund 3 Prozent zurück. Seit Herbst befinden wir uns allerdings schon wieder auf dem Niveau vor der Mietpreisbremse.

procontra: Wie erklären Sie sich den anscheinend nur kurzfristigen Effekt?

Hebecker: Den Rückgang bewerten wir als zwischenzeitliche Verunsicherung durch den Eingriff in den Neuvermietungsmarkt, ein Eingriff, den es so vorher nicht gab. Doch dort, wo hohe Mieten schon vor der Mietpreisbremse gezahlt wurden, werden die auch nachher gezahlt und verlangt. Ein Vermieter wird sich bei einer Neuvermietung immer in erster Linie am Wettbewerb, sprich an den Nachbarsmieten orientieren und weniger am Mietspiegel. Das entspricht dann auch der gefühlten ortsüblichen Vergleichsmiete, die als Grundlage für die Mietpreisfindung dient.

procontra: Hätte man sich das Gesetz sparen können?

Hebecker: Wir sehen schon eine bremsende Wirkung, beispielsweise in Berlin-Kreuzberg, wo die Mieten für eine Altbauwohnung bei 10,50 Euro je Quadratmeter seitdem nicht übersteigen. Lediglich bei Neubauten in solchen Lagen liegen die Preise höher. Daher beobachten wir schon einen Effekt, wenngleich auf einem deutlich höheren Niveau als dem durch das Gesetz gewünschten, nämlich 10 Prozent über dem Mietspiegel.

Seite 1: Welche Effekte die Mietpreisbremse hat
Seite 2: Welche Aussagekraft der Mietspiegel hat

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