EZB kauft auch Anleihen von Versicherern

Versicherungen von Stefan Terliesner

Die Notenbank EZB geht beim Kauf von Corporate Bonds großzügig vor. Das Programm startet ab Juni. Wie sich das auf Kurse und Renditen auswirkt.

Gab Details zum geplanten Kauf von Unternehmensanleihen bekannt: Mario Draghi / Screenshot: Live-Presse-Konferenz der EZB (Archiv)

Gab Details zum geplanten Kauf von Unternehmensanleihen bekannt: Mario Draghi / Screenshot: Live-Presse-Konferenz der EZB (Archiv)

Der Prozess der immer weiter fallenden Renditen geht in eine neue Runde. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag Details zum geplanten Kauf von Unternehmensanleihen bekannt gegeben. Ab Juni wird sie auf den Primärmärkten (Emission von Anleihen) und auf den Sekundärmärkten (Handel mit Anleihen) bis zu 70 Prozent einer einzelnen Emission kaufen, heißt es in einer Pressemitteilung. Bei den Laufzeiten deckt die EZB die ganze Bandbreite von sechs Monaten bis zu 30 Jahren ab. Die Papiere müssen ein Kreditrating im Investment-Grade-Bereich haben, also mindestens die Note „BBB“. Auch die Anleihen von Versicherern werden in die Käufe einbezogen; Banken sind ausgenommen. Der Kauf von Unternehmensanleihen wird zum gesamten EZB-Ankaufziel von 80 Milliarden Euro pro Monat beitragen. Ein Großteil dieser Käufe betrifft Staatsanleihen.

Investoren haben sich bereits positioniert

Bereits im Vorfeld des Corporate Sector Purchase Programme (CSPP) hatten sich viele Investoren positioniert. Dass die EZB Unternehmensanleihen kaufen wird, hatte sie im März bekannt gegeben. Seitdem purzeln auch in diesem Segment die Renditen respektive steigen die Kurse. Das wiederum treibt Investoren auf der Suche nach Zinserträgen immer weiter ins Risiko: sie kaufen Anleihen mit längeren Laufzeiten und/oder schlechteren Ratings. Die Risiken in ihren Portfolios müssen sie heraufsetzen. Ein Ende dieses Prozesses ist bisher nicht absehbar.

Bewertungsreserven realisieren

Dass die EZB ab Juni auch den Versicherern Anleihen abkauft, ist bemerkenswert. Sie emittieren zwar so gut wie keine eigenen Anleihen, investieren aber im großen Stil in Corporate Bonds hoher Bonität. In der Regel erwerben die Versicherer die Papiere, um sie bis zum Ende der Laufzeit zu halten. Für die Versicherer sind die regelmäßigen Zinszahlungen interessant, weniger die zwischenzeitliche Kursentwicklung. Das Auf und Ab der Kurse spiegelt sich allerdings in den Bewertungsreserven wider. Ein Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schloss auf Anfrage nicht aus, „dass einzelne Versicherer Unternehmensanleihen an die EZB verkaufen und dadurch Bewertungsreserven realisieren.“ Die Branche klagt zwar oft über die negativen Folgen der Niedrigzinspolitik, zumindest an dieser Stelle dürften einige Versicherer aber gerne ein paar schnelle Gewinne mitnehmen.

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