BU: Welche Rolle spielt die Finanzkraft?

Berater Top News von Friederike Krieger

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, sollte sich auf Beitragssteigerungen gefasst machen. Warum dafür nicht allein der Niedrigzins verantwortlich ist, erklärt Makler Matthias Helberg im Interview.

Hält die Probleme in der Berufsunfähigkeitsversicherung für hausgemacht: Matthias Helberg

Hält die Probleme in der Berufsunfähigkeitsversicherung für hausgemacht: Matthias Helberg Bildrechte: Matthias Helberg

procontra: Sehen Sie auch die Gefahr, dass die BU-Beiträge durch eine Quersubventionierung der Lebensversicherung steigen könnten?

Matthias Helberg: Noch akuter als die Gefahr, dass Versicherer Risikogewinne zum Ausgleich negativer Kapitalerträge nutzen, ist, dass die Überschussbeteiligung insgesamt sinkt, weil Kapitalerträge und Risikogewinne schrumpfen. Auch dadurch können die Beiträge steigen. Das ist schon heute zu beobachten, sei es bei Neuverträgen, bei laufenden Verträgen oder im Rentenbezug.

procontra: Die Kapitalerträge schrumpfen wegen der Niedrigzinsen, aber warum gehen die Risikogewinne zurück?

Helberg: Die Kalkulationen der Versicherer gehen nicht immer auf. Ein Grund dafür mag auch der enorme Anstieg psychischer Erkrankungen sein, womit früher niemand gerechnet hat. Das führt zu großen und langwierigen Schadensfällen. Dadurch fallen die Risikoüberschüsse nicht mehr so hoch aus. Natürlich sollte man die Überschüsse im Auge behalten und schauen, wen man da als Anbieter vermittelt, aber man sollte das Thema auch nicht überbewerten. Das ist nicht das Hauptproblem.

procontra: Sondern?

Helberg: Die Probleme sind hausgemacht. Da ist zum einen die immer größer werdende Differenzierung bei den Berufsgruppen. Wer ein niedriges BU-Risiko hat, bekommt die Versicherung hinterhergeschmissen, wer ein überdurchschnittlich hohes Risiko hat, bekommt Beiträge angeboten, die er in vielen Fällen nicht mehr zahlen kann. Ein aktuelles Beispiel: Ein Arzt soll für eine BU-Police 1.000 Euro im Jahr zahlen und die Krankenschwester, die mit ihm im OP steht, 3.000 Euro für die gleiche Absicherung.

procontra: Welche Probleme gibt es sonst noch?

Helberg: Die Risikoprüfungen werden immer umfangreicher: Versicherer schließen oft Vorerkrankungen aus, verlangen Zuschläge und versichern manche Personen gar nicht mehr. Auch das Antragsprozedere wird immer umfangreicher. Wir empfehlen Kunden, bevor sie einen Antrag stellen, erst mal ihre Krankenakte anzufordern. Der Aufwand ist so riesengroß, dass sich einige Kunden schon allein deshalb nicht versichern wollen.

procontra: Assekurata empfiehlt, beim Abschluss einer BU-Versicherung die Finanzkraft der Anbieter stärker zu berücksichtigen. Worauf achten Sie beim Abschluss besonders?

Helberg: Die wirtschaftliche Stabilität des Versicherers ist auch ein Kriterium, aber nicht das ausschlaggebende. Die Kunden, die zu uns kommen, weisen oft Besonderheiten im Beruf, bei der Freizeitgestaltung oder der Gesundheitshistorie auf. Diese Klientel nimmt nicht jeder Versicherer. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, diese Kunden wenn möglich vollständig und ohne Leistungsausschlüsse zu versichern. Ein Versicherer, der wirtschaftlich besonders gut dasteht, ist für diese Kunden nicht unbedingt der beste.

procontra: Warum?

Helberg: Weil es dem Versicherer gut geht, der die geringsten Risiken eingeht. Das ist nicht unbedingt im Interesse des Kunden, der in erster Linie umfangreichen Versicherungsschutz haben will. Soll ich ihn zu einem Versicherer schicken, der finanzstark ist, auch wenn der Leistungen aufgrund der Wirbelsäule und Psyche ausschließen will, während ein anderer Anbieter, der nicht ganz so finanzstark dasteht, ihn zu Normalbedingungen versichert? Das kann es nicht sein – zumal sich die Finanzstärke während der Laufzeit einer BU-Police ändern kann. Der Ausschluss aber bleibt.

Die Spanne zwischen Brutto- und Nettobeitrag rückt noch stärker in den Mittelpunkt der Beratung. Warum das so ist, lesen Sie in der aktuellen Printausgabe der procontra.

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