Bauboom ja, Blase nein

Sachwerte Top News von Stefan Terliesner

Der Wohnungsbau floriert - doch handelt es sich um einen Immobilienblase? Wie die Eigenkapitalquote bei Finanzierungen im internationalen Vergleich abschneidet.

Droht das Platzen einer Immobilienblase? Fotolia / alphaspirit

Der Bauboom für Wohnimmobilien in Deutschland ist ungebrochen. Wie die jüngst veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, wurden im vergangenen Jahr rund 309.000 Baugenehmigungen erteilt, 8,4 Prozent mehr als noch im Jahr 2014. Der im Jahr 2009 begonnene Trend setzt sich damit fort. Erstmals seit dem Jahr 2000 wurde die Marke von 300.000 genehmigten Wohnungen überschritten. Diese Entwicklung ist wenig überraschend: günstige Finanzierungsbedingungen, eine robuste Konjunktur und eine hohe Nachfrage sorgen dafür, dass der Wohnungsbau in Deutschland floriert, schreibt die Bank M.M. Warburg in einer Analyse.

Steueranreize für den Bau

Weiter heißt es dort: Da die Europäische Zentralbank die Zinsen auf absehbare Zeit nicht anheben werde und zusätzlich die Bundesregierung und die Bundesländer darüber diskutierten, weitere Steueranreize für den Wohnungsbau zu gewähren, sprechen auch im Jahr 2016 alle Zeichen dafür, dass sich der Bauboom fortsetzen wird. Folgerichtig seien auch die Preise für Immobilien im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Laut Monatsbericht der Deutschen Bundesbank seien die Immobilienpreise im Jahr 2015 um durchschnittlich 6,0 Prozent gestiegen, 2014 habe der Zuwachs 5,5 Prozent betragen.

Diese Entwicklung rufe zunehmend Kritiker auf den Plan, die eine Immobilienpreisblase für Deutschland ausrufen. Tatsächlich, so die Privatbank, für eine Blase sprechen könnte, dass die Preissteigerung nicht mehr nur die Großstädte betrifft, sondern zunehmend auch regional breiter gestreut ist. Außerdem habe 2015 das Volumen der Baukredite mit 3,5 Prozent noch einmal merklich zugelegt. Gegen das Argument einer Immobilienblase spreche jedoch, dass zumindest in der mittleren und langen Frist die Preissteigerung für Wohnimmobilien in Deutschland eher gering sei.

Seit 2008 steigen die Preise kräftig

Im internationalen Vergleich seien die Preise für Wohnimmobilen seit 1990 (2000) um 157 Prozent (58 Prozent) gestiegen, während die Preise in Deutschland lediglich um 39 Prozent (23 Prozent) gestiegen seien. Betrachte man jedoch die Entwicklung seit der Finanzkrise 2008, liege Deutschland mit 16 Prozent deutlich über dem internationalen Mittelwert von -10 Prozent. Die Analysten von M. M. Warburg gehen dennoch nicht von einer Immobilienblase aus, da die kreditfinanzierte Wohnimmobilienfinanzierung zwar zugenommen habe, die Finanzierung im internationalen Vergleich jedoch aufgrund der hohen Eigenkapitalquote der Baufinanzierer deutlich konservativer sei.

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