Honorarberater wollen Grabenkämpfe beenden

| Berater | Top News von Matthias Hundt

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Sechs neue Leitlinien sollen die Beratungsqualität erhöhen. Was wirklich neu daran sei, wird gefragt. Immerhin will man aber die leidige Entweder-oder-Diskussion beenden.

In der Vergangenheit hielten es die Vertreter der Honorarberatung recht pauschal: Nur die Honorarberatung sei frei von Interessenskonflikten und das sei schließlich die Grundvoraussetzung, um Kunden überhaupt qualitativ hochwertig beraten zu können.
Ebenso alt wie diese These ist der Hinweis der Provisionsseite, auf die fehlende Kausalität zwischen Vergütungsmodell und Beratungsqualität. Jetzt, da das Thema politisch erledigt scheint, widmet man sich anderer Ziele.

procontra sprach mit Eric Czotscher, verantwortlicher Redakteur beim „Der Honorarberater“ und Gastgeber des 11. Honorarberater Kongresses in Hanau diese Woche. Statt den vermeintlich exklusiven Interessenskonflikt der Provisionsvermittler gegenüber ihren Kunden weiter zu strapazieren, will man „die Grabenkämpfe zwischen Honorar und Provisionsberatung beenden“, so Czotscher gegenüber procontra, der weiter einräumt: „Die Honorarberatung ist für den Kunden noch keine Garantie für exzellente Beratung. Bei ausgewählten Provisionsberatern bekäme er womöglich eine bessere Beratung als bei einem beliebigen Honorarberater.“

Kommt da wirklich was Neues?

Diese „Einsicht“ resultiert wohl auch aus der Tatsache, dass ein pauschales Provisionsverbot endgültig vom politischen Tisch scheint. Das klang vor Jahresfrist auf dem gleichen Kongress noch ganz anders (procontra berichtete). Diese Woche wurden in Hanau sechs Leitlinien für mehr Qualität in der Finanzberatung vorgestellt. Diese gelten in erster Linie für Honorarberater, können aber ebenso die Grundlage für Berater darstellen, die gegen Provisionen beraten oder Mischmodelle anwenden, hieß es. Kritische Reaktionen an den Leitlinien rief die Ansicht hervor, dass im Prinzip überwiegend geltendes Gesetz nun als Brancheninitiative und Leitfaden präsentiert wird. Doch Czotscher betont, dass die formulierten Leitlinien über die Gesetzespraxis hinausgehen sollen. Vor allem von Punkt 6, der beruflichen Voraussetzungen, verspricht man sich eine bessere Beratungsqualität. Hier sollen Zusatzqualifikationen, die reine Sachkundeprüfung ergänzen und das Ausbildungsniveau erhöhen.

„Die Entwicklung der Leitlinien basiert auch auf einer Empfehlung Herrn Billens, der nahegelegt das Thema aus der Branche selbst heraus zu stärken, anstatt auf politische Unterstützung zu hoffen“, erklärt Czotscher. Der ehemalige Verbraucherschützer Gerd Billen ist heute Staatssekretär für Verbraucherschutz im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und war ebenfalls in Hanau zugegen.

 

Die sechs Leitlinien im Detail

1. Compliance

Der Berater hält alle gesetzlichen Bestimmungen ein und handelt auch darüber hinaus im „Geiste des Gesetzes“. Das Interesse seines Mandanten ist ihm ein wesentliches Anliegen. Er erläutert dem Mandanten im Erstgespräch die rechtlichen Rahmenbedingungen und klärt ihn über seine Rechte auf. Außerdem macht der Berater deutlich, nach welchen Werten und Prinzipien er handelt.

Leitlinie 1: Compliance
Leitlinie 2: Kundenorientierung
Leitlinie 3: Vergütung
Leitlinie 4: Beratungsinhalt
Leitlinie 5: Produktbeschaffung
Leitlinie 6: Berufliche Voraussetzungen

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