EZB-Geldpolitik stößt auf scharfe Kritik

Investmentfonds Top News von Martin Thaler

Die Europäische Zentralbank verschärft ihren Kurs in der Geldpolitik. Der Leitzins liegt nun bei null Prozent, die Strafzinsen steigen. Nun drohe ein „monetäres End-Game“, heißt es aus der Finanzbranche.

Mario Draghi Screenshot: Live-Presse-Konferenz der EZB (Archiv)

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Geldpolitik weiter lockern. Diese mit Spannung erwartete Entscheidung gab EZB-Präsident Mario Draghi heute bekannt. Um die von der EZB angestrebte Erhöhung der Inflation auf zwei Prozent zu erreichen und die Wirtschaft anzukurbeln, sollen folgende geldpolitische Maßnahmen ergriffen werden:

1.     Senkung des Leitzinses  

Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB mit Geld eindecken können, wird auf 0,0 Prozent gesenkt. Zuvor hatte er 0,05 Prozent betragen.  

2.     Erhöhung des Strafzinses  

Wie von vielen Volkswirten bereits erwartet, erhöht die EZB die Strafzinsen für von Banken bei ihr geparktes Geld auf minus 0,4 Prozent. Damit liegt der Strafzins künftig 10 Basispunkte unter der bisherigen Marke von minus 0,3 Prozent. Hierdurch sollen die Banken dazu animiert werden, mehr Kredite an Unternehmen zu vermitteln, anstatt das Geld kurzfristig bei der Notenbank zu lagern.  

3.     Quantitative Easing  

Die Notenbank wird ihr Ankaufprogramm von Anleihen weiter ausbauen. Ab April sollen statt bisher 60 Milliarden Euro pro Monat 80 Milliarden pro Monat investiert werden. Nachdem die Währungshüter im Dezember 2015 bereits beschlossen hatten, ihre Anleihekäufe um Anleihen von Regionen und Kommunen zu erweitern, sollen in Zukunft auch investitionswürdige Unternehmensanleihen gekauft werden.

4.     Neue Langfristkredite für Banken  

Die EZB wird den Geschäftsbanken ab Juni neue Refinanzierungsgeschäfte anbieten, und zwar zu Niedrigzinsen. Bei diesen Billigkrediten können sich die Banken für vier Jahre Geld leihen, die Zinsen können hierbei sogar negativ sein.  

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