Demenz: Muss mein Versicherer von der Erkrankung wissen?

Berater von Michael Fiedler

Mehr als 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt. Experten erwarten eine Verdopplung dieser Zahl bis zum Jahr 2050. Welche Änderungen sich für Demenz-Erkrankte in Versicherungsangelegenheiten ergeben, hat die Gothaer zusammengestellt.

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„Wir müssen uns klar machen, dass hinter diesen Zahlen menschliche Schicksale stehen. Das Leben jedes einzelnen Betroffenen und das seiner Familie wird durch eine Demenzerkrankung aus der Bahn geworfen“, sagt Heike von Lützau-Hohlbein, 1. Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. „Jeden Tag werden es 100 Menschen mehr, und das auf Jahrzehnte, denn ein wirksames Gegenmittel ist derzeit nicht in Sicht.“
Worauf bei Betroffene in den jeweiligen Versicheurngssparten achten sollten, haben Experten der Gothaer zusammengestellt.

Versicherungen allgemein: Muss mein Versicherer von der Erkrankung wissen?

Generell gilt: Die Versicherung muss nicht wissen, dass der Versicherte an Demenz erkrankt ist. Es besteht kein Einfluss auf den Versicherungsschutz oder den Beitrag. Auch gekündigt werden kann der Vertrag nicht. Anders verhält es sich, wenn eine Versicherung neu abgeschlossen werden soll. Eine Frage nach einer Demenz-Erkrankung muss wahrheitsgemäß beantwortet werden, sonst ist der Versicherungsschutz gefährdet.

Haftpflicht: Was ist, wenn mein demenzkrankes Familienmitglied einen Schaden anrichtet?

Bei Schäden, die durch einen Demenzkranken verursacht werden, ist die gesetzliche Grundlage ähnlich wie bei deliktunfähigen Kindern. Weil sich beide Personengruppen über ihr Handeln oft nicht vollständig bewusst sind, können sie auch nicht für ihre Taten verantwortlich gemacht werden (§ 827 BGB)*. Folglich fällt auch die gesetzliche Schadenersatzpflicht weg, sodass auch Haftpflichtversicherungen nicht Ersatz leisten müssen.
Wie das in der Praxis gehandhabt wird, erklärt Konrad Göbel, Haftpflichtexperte der Gothaer: „Während zwar viele Versicherer immerhin die Deliktunfähigkeit von Kindern wieder in ihren Versicherungsschutz mitaufgenommen haben, ist die Erweiterung auf deliktunfähige Personen allerdings noch selten. Die Gothaer sieht bei Schäden, die von Demenzkranken verursacht werden und daher nicht ersatzpflichtig sind, aber ein ähnliches Konfliktpotential wie bei deliktunfähigen Kindern. Solche Fälle spielen sich häufig im Freundes- oder Familienkreis ab, einem Bereich, in dem die Versicherungsnehmer Schäden nicht abgewehrt, sondern reguliert haben möchten. Um dies zu unterstützen, haben wir unseren Versicherungsschutz entsprechend ausgedehnt.“

Kfz-Versicherung: Mit Demenz ans Steuer?

Bereits im frühen Stadium einer Demenz lassen Konzentration, Orientierungssinn und Reaktionsgeschwindigkeit der Betroffenen nach. Entfernungen und Geschwindigkeiten können dann nicht mehr richtig eingeschätzt, komplexe Situationen nicht mehr richtig bewertet werden. Die Krankheit wird schleichend schlimmer, die Betroffenen bekommen das meist nicht mit.

„Aufgrund der Fahruntüchtigkeit sollte sich kein Demenzkranker mehr ans Steuer setzen. Richtet er mit seinem Auto dennoch einen Schaden an, so hat das Verkehrsopfer gegen den Halter des Fahrzeugs selbst dann einen Schadenersatzanspruch, wenn der Fahrer infolge einer Demenz deliktunfähig gewesen sein sollte. So sieht es das strenge Straßenverkehrsgesetz vor. Eine Demenzerkrankung des Schadenverursachers hat also auf eine Entschädigung des Unfallopfers durch den Kfz-Versicherer keinen Einfluss. Ob der Versicherer seine Leistung vom Schadenverursacher zurückfordern kann, hängt dann von den Umständen des Einzelfalls ab“, so Armin Eckert, Experte für Kfz-Versicherungen bei der Gothaer.

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