Windkraft: „Neue Standorte sind schwer zu entwickeln“

| Beteiligungen & Sachwerte von Robert Krüger Kassissa

Dr. Claus-Eric Gärtner, © BVT

Dr. Claus-Eric Gärtner, Geschäftsfüher BVT Holding GmbH & Co. KG, über die damalige und heutige Stimmung in der Bevölkerung hinsichtlich Windkraft und was BVT und andere aus der Vergangenheit gelernt haben.

Bürgerinitiativen gegen Windkraft, die Reform des EEG und die schwache Performance der Windkraftfonds in der Vergangenheit haben. Es spricht derzeit nicht vieles für Windkraft.

Doch es geht auch anders wie die der Windkraftpionier BVT aus München zeigt. Das Unternehmen vermeldet aktuell einen erfolgreichen Exit. Der Windpark Saal (nördlich von Rostock) wurde zum Jahresende 2015 mit Erfolg aufgelöst und die Anlagen verkauft. Den Anlegern flossen über die Fondslaufzeit (1993 bis 2015) Gesamtausschüttungen von 285 Prozent ihrer Einlage zu und damit mehr als die prognostizierten 265 Prozent. Investoren konnten eine Rendite von 10,1 Prozent IRR (Zeitraum 12/1993 bis 10/2015) erzielen.

procontra: Land auf und ab gibt es Bürgerinitiativen, die sich für bestimmte Mindestabständen zwischen Windrädern und Wohnhäusern stark machen. BVT kann als Pionier die Sache historisch betrachten. War vor Jahrzehnten die Stimmung in der Bevölkerung hinsichtlich Windkraft anders?
 
Dr. Claus-Eric Gärtner: Ja, damals herrschte eher eine Aufbruchsstimmung und die Anlagen standen mehr oder weniger im Garten, wo heute noch viele alte Anlagen stehen

procontra: Die umfassende Windkraftfonds-Studie des Anlegerbeirates des Bundesverbands Windenergie aus 2013 stellt der Mehrheit der Windkraftfonds ein schlechtes Zeugnis aus. Das Ergebnis: Zwei Drittel liegen weit unter der Ertragsprognose. Was waren die grundlegenden Fehler, die Windkraftfonds mit deutschen Standorten gemacht haben?

Dr. Gärtner: Neben dem gesetzlichen Rahmen und der technischen Leistungsfähigkeit von Windkraftanlagen ist das Windaufkommen die bedeutendste externe Einflussgröße für den wirtschaftlichen Erfolg eines Windkraftfonds. Frühere Windgutachten – obwohl in der Regel durch einen anerkannten Gutachter erstellt – haben das Windaufkommen zu hoch eingeschätzt, sodass die realen Winderträge und damit die Erlöse deutlich hinter der Planung zurückbleiben.

procontra: Warum?

Dr. Gärtner: Grund für die ungenaue Prognose war, dass die Windgutachter in den Anfangsjahren noch nicht über ausreichende Erfahrung mit der Erstellung von Windgutachten z. B. für komplexe Mittelgebirgslandschaften verfügten. Für BVT Windparks werden heute aus dieser Erfahrung heraus zwei bis drei Windgutachten anerkannter und unabhängiger Experten eingeholt. Zusätzlich wird bei neuen Windkraftfonds ein Sicherheitsabschlag auf die prognostizierten Winderträge angesetzt.
In der Vergangenheit erwiesen sich zudem die Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung der Windparks als kritische Einflussgröße für die Wirtschaftlichkeit. Die langfristigen Erfahrungen bei den ältesten BVT Windparks haben gezeigt, dass in den Anfangsjahren in den Planrechnungen die Rücklagen für Wartung und Instandhaltung nicht in ausreichender Höhe angesetzt waren.

Um hier eine erhöhte Prognosesicherheit zu erhalten, vereinbart BVT seit einiger Zeit für Windkraftanlagen in der Regel langlaufende Vollwartungsverträge mit den Herstellern, welche damit den größten Teil des Kostenrisikos für die Instandhaltung übernehmen. Für Windparks der BVT Unternehmensgruppe werden zudem feste Wartungsverträge abgeschlossen und nach Ablauf der Gewährleistungszeit kontinuierlich hohe Rücklagen für Wartung und Instandhaltung gebildet.

procontra: Einige Anbieter haben nun Publikumsfonds in Frankreich oder neuerdings auch Finnland im Angebot. Sind deutsche Standorte nicht mehr attraktiv genug?

Dr. Gärtner: In Deutschland sind die guten Standorte besetzt und die bisherigen Eigentümer entwickeln diese weiter. Neue Standorte sind aufgrund des sich ständig verschärfenden Gegenwinds der Öffentlichkeit und der Verkomplizierung von Genehmigungsverfahren durch Politik und Verwaltungen schwer und risikoreich zu entwickeln.

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