Verständlichkeit: So verbessern Versicherer ihre AVB

| Versicherungen von Michael Fiedler

Fotolia / pathdoc

Wird der Schaden übernommen? Zahlt die Versicherung eine bestimmte Leistung? Antwort darauf geben nur Versicherungsbedingungen. Doch die sind häufig so formuliert, dass Verbraucher fachkundigen Rat einholen müssen. Wie Versicherer zu einer verständlichen Sprache finden können ohne rechtliche Aspekte außer Acht zu lassen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherer (GDV) verpflichtet die Versicherer in seinem Verhaltenskodex zu verständlichen Produktdarstellungen - und die AVB gehören dazu. Doch verständliche Sprache nutzen die wenigsten Versicherer, so eine Studie von AMC und Communication Lab (procontra berichtete: „Versicherungsbedingungen sind meist unverständlich“).

Allerdings gibt es auch Positiv-Beispiele. Der Studie zufolge, zeigen die Versicherungsbedingungen von Allianz, Basler, DKV, ERGO und HUK24, wie Verständlichkeitsbarrieren vermieden werden können. Erste Anhaltspunkte für eine Verbesserung der AVB bietet die Studie in Form einer Checkliste:

  • Lange Sätze kürzen!
  • Informationsdichte reduzieren (ein Gedanke pro Satz).
  • Aktive Sprache verwenden und Handelnde nennen.
  • Verben statt Substative benutzen.
  • Lange zusammengesetzte Wörter auflösen.
  • Auf unnötige Fachbegriffe und Fremdwörter verzichten.
  • Für eine klare Gliederung und geeignete Lesbarkeit sorgen.

 

 

Textbeispiele

Wo die Unterschiede zwischen den gut und weniger gut bewerteten AVB liegen, sollen diese Beispiele zeigen:


Beispiel: Tarifwechsel
So besser nicht: „Die Umwandlung des Versicherungsschutzes aus einem Tarif, bei dem die Beiträge geschlechtsunabhängig kalkuliert werden, in einen Tarif, bei dem dies nicht er Fall ist, ist ausgeschlossen.“
Besser so: „Der Wechsel in einen Tarif, bei dem die Beiträge geschlechtsabhängig kalkuliert werden, ist ausgeschlossen.“

Beispiel: Renten-/ Kapitalleistung
So besser nicht: „Bei Erleben des Rentenbeginns steht zu diesem Zeitpunkt eine garantierte Kapitalleistung zur Verfügung, im Folgenden garantierte Erlebensfallleistung genannt.“
Besser so: „Ihr Vertrag erbringt die folgenden Leistungen: a. Eine lebenslange Altersrente, wenn die versicherte Person zum Rentenbeginn lebt. Anstelle der Altersrente erhalten Sie optional eine Kapitalabfindung“

Oliver Haug, Geschäftsführer von Communication Lab, betont, dass bislang noch zu wenige Versicherer auf verständliche AVB achten. „Wer seine AVB verständlich gestaltet, unterstüzt Transparenz und handelt im Kundeninteresse. Viele Versicherer verkennen dieses differenzierende Potenzial in ihren AVB.“

Mehr zur Studie: www.amc-forum.de/?webcode=1633

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