Solvency II ermöglicht Maklern tiefe Einblicke

| Berater | Top News von Friederike Krieger und Anne-Christin Gröger

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Die neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II ermöglichen Maklern einen besseren Überblick über die wirtschaftliche Lage eines Versicherers. Zugleich erschweren sie aber auch den Anbietervergleich mittels Solvabilität.

Seit Anfang Januar gelten für Versicherer die neuen EU-Eigenkapitalregeln Solvency II. Vermittler können davon profitieren, denn „durch die öffentliche Solvenzkapitalberichterstattung wird es für Makler leichter zu beobachten, in welcher Situation sich ein Versicherer derzeit befindet“, sagt Rechtsanwalt Thomas Leithoff von der Berliner Kanzlei Johannsen Rechtsanwälte.

Für Makler ist es wichtig, die Entwicklung der Versicherer, mit denen sie Geschäfte machen, genau im Blick zu haben. „Sobald am Markt Gerüchte aufkommen, dass es einem Versicherer nicht mehr so gut geht, sind Makler dazu verpflichtet, ihre Kunden darüber zu informieren und sie darauf hinzuweisen, dass die Gesellschaft möglicherweise nicht mehr der geeignete Partner ist“, sagt Leithoff. Sonst mache der Makler sich haftbar.

Auch bei der Neuvermittlung von Verträgen müssen Vermittler wachsam sein. „Die meisten Makler wählen Versicherer nach Leistungskriterien auf Vertragsseite aus, etwa ob eine Lebensversicherung mit einem Berufsunfähigkeitsbaustein verknüpft ist“, erläutert der Anwalt. Das reiche jedoch nicht. „Bevor sich ein Makler dafür entscheidet, die Verträge eines bestimmten Versicherungsunternehmens zu vermitteln, muss er sich natürlich den Markt anschauen.“ Das heißt: Geschäftsberichte lesen und Analysen wälzen.

Umfangreichere Informationspflicht

Die Informationen, die Versicherer unter Solvency II veröffentlichen müssen, sind wesentlich umfangreicher als früher. „Grundsätzlich ist Solvency II besser als das Vorgängerregime Solvency I, weil es die Risikosituation der Unternehmen intensiver betrachtet und sie zwingt, ihr Geschäft daran auszurichten“, erklärt Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Ratingagentur Assekurata. Im Gegensatz zu Solvency I orientiert sich der Eigenkapitalbedarf eines Versicherers unter den neuen Regeln nicht mehr nur an relativ starren Bilanzgrößen wie den versicherungstechnischen Rückstellungen, sondern berücksichtigt stärker die tatsächlichen Risiken, die Unternehmen im Versicherungsgeschäft und in der Kapitalanlage eingehen.

Die Solvabilitätsquoten der Versicherer werden sich daher verändern. „Die Mehrzahl der privaten Krankenversicherer wird gute Solvenzkennziffern haben“, erwartet Will. Der Grund: Sie haben kein langfristiges Kapitalanlagerisiko, weil sie die Zinssätze, mit denen sie kalkulieren, und die Beiträge der Kunden anpassen können. Auch bei Schaden- und Unfallversicherern sieht er kein grundlegendes Problem. „Wer systematische Probleme mit Solvency II haben wird, sind Lebensversicherer, die hohe Garantieversprechen in den Büchern haben“, erklärt er.

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