Niedrigzins: Bund plant Entlastung für Betriebsrenten

| Versicherungen von Michael Fiedler

Fotolia / Gina Sanders

Der Rechnungszins, Grundlage für die Berechnung der Pensionsverpflichtungen, soll nach Plänen der Bundesregierung geändert werden. Die Regelung könnte viele mittelständische Unternehmen entlasten.

In den kommenden Wochen wird in Bundestag und Bundesrat (hier 26. Februar) ein Gesetzesentwurf behandelt, der Änderungen an der Bemessungsgrundlage für Pensionsverpflichtungen vorsieht.
Zukünftig soll ein zehnjähriger anstelle eines siebenjährigen Durchschnitts der Marktzinsen als Grundlage für die Bemessung der Pensionsverpflichtungen für nach Handelsgesetzbuch (HGB) bilanzierende Unternehmen gelten.

Lösung kauft nur Zeit

„Diese neue Regelung würde vielen – insbesondere mittelständischen – Unternehmen Erleichterung verschaffen. Allerdings kauft diese Lösung nur Zeit: die Pensionsverpflichtungen stiegen zwar nicht so schnell an, das ändert aber nichts daran, dass Unternehmen diese Gefahr in ihren Pensionsverpflichtungen entschärfen müssen. Sie sollten sich auf ein länger anhaltendes Niedrigzinsumfeld einstellen. Die bAV wird damit zur Chefsache und sollte integraler Bestandteil des Risiko- und Liquiditätsmanagements sein,“ sagt Tobias C. Pross, Head of EMEA Allianz Global Investors.
Seine Aussage stützt er auf eine Modellrechnung von AllianzGI. Der Rechnung zufolge, würde der HGB-Rechnungszins durch die neue Regelung und bei gleichbleibendem Zinsniveau 2018 etwa 3,37 Prozent betragen.
Ohne die geplante Änderung läge der Rechnungszins 2018 bei nur noch ca. 2,55 Prozent. Für einen Personenbestand aus 50 Prozent Rentnern und 50 Prozent Anwärtern berechnet, würde das zu einer Erhöhung der Pensionsverpflichtungen von 29 Prozent seit 2014 führen.
Mit der geplanten zehnjährigen Durchschnittsbildung würden die Pensionsverpflichtungen bis 2018 lediglich um ca. 15 Prozent steigen, so die Modellrechnung von AllianzGI.

Unternehmen müssen für ausreichende Kapitaldeckung sorgen

Nach Schätzungen von AllianzGI verfügt knapp die Hälfte aller in deutschen Unternehmen/Kreditinstituten bestehenden Pensionsverpflichtungen über bedarfsgerechte Gegenfinanzierung.
Unternehmen, die nicht rechtzeitig für eine ausreichende Kapitaldeckung sorgen, müssen die Rentenverpflichtungen bei Fälligkeit aus dem operativen Geschäft finanzieren – unabhängig von der Geschäftsentwicklung und notfalls auch zulasten wichtiger Investitionen.

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