Maklers Leid ist Maklers Freud

Berater von Michael Fiedler

Wenn Versicherer die Zusammenarbeit mit Maklern verhindern, ablehnen oder gar kündigen, bricht meist eine Welle der Entrüstung los. Doch in diesem Fall war es anders. Warum eigentlich?

Screenshot Vimeo

Vergangene Woche berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass der Schweizer Versicherer Helsana die Zusammenarbeit mit Knip beendet habe.

In einem Kunden-Anschreiben führte Helsana aus, man wolle die sehr persönlichen Daten der Kunden nicht mit einem externen Dienstleister teilen.
Zum Hintergrund: Erst im Dezember hatte das Schweizer Unternehmen den „Digitalen Leuchtturm“ für seine App gewonnen. Kunden sollen mit der Lösung auch mobil einen Überblick über ihre Versicherungen erhalten. Zudem könne man sich „...von den Versicherungskaufleuten von Knip unabhängig beraten lassen.“

Die Kommentare zum Ende der Zusammenarbeit lesen sich meist so: „Nicht alles lässt sich über eine App lösen“, „War nicht anders zu erwarten“, „Endlich“ oder auch: „Gut so, hoffentlich folgen weitere Versicherer.“
Der Ärger und die Häme der Makler trifft Knip nicht zufällig. Das Unternehmen wolle nur Bestände übertragen bekommen; eine Beratung finde nicht statt, so der Vorwurf. Viele Makler meinen auch, regulatorische Vorschriften – etwa die Übergabe der Erstinformation beim ersten Geschäftskontakt oder die Beratungsdokumentation – würden von FinTechs bewusst unterlaufen.

Wem gehören die Bestände? Wem gehören die Kunden-Daten?

Doch von all diesen Vorwürfen findet sich keiner in der Begründung der Helsana. Der Schweizer Versicherer stört sich mitnichten an vermeintlich fehlender Dokumentation. Im Gegenteil: Negative Erfahrungen mit dem FinTech habe Helsana nicht gemacht, so ein Sprecher gegenüber Versicherungsbote. Der Versicherer argumentiert über Datenschutz und nutzt die Gelegenheit, sich als Freund und Anwalt der Verbraucher darzustellen.

Und noch etwas stößt an der Beendigung der Zusammenarbeit auf: Ähnlich wie Knip, hat auch Helsana inzwischen ein Portal geschaffen, in dem Kunden Zugriff auf ihre Vertragsdaten haben. Hat sich Knip im Laufe der bisherigen Zusammenarbeit überflüssig gemacht? Naheliegend ist wohl, dass Helsana das eigene Portal „myhelsana“ nicht weiter schwächen will.

Gespannt darf man sein, was passiert, wenn dieses Beispiel tatsächlich Schule macht und Makler gekündigt werden, weil der Versicherer keine persönlichen Daten der Kunden (ja, wessen Kunden sind es eigentlich?) an Makler herausgeben will.

Fakt ist, Knip ist ein Unternehmen und als Makler registriert und sollte entsprechend behandelt werden. Die Begründung von Helsana ist jedenfalls nicht geeignet, um von Maklern beklatscht zu werden. 

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