BU: David gegen Goliath?

Versicherungen von Ingo H. Lorenz

Kaum ein Tag vergeht, indem nicht in irgendeinem Medium Schlagzeilen zu Versicherungsprodukten produziert werden - aktuell „Die Welt“: „Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt“. Eine Analyse dazu von Versicherungsmakler Ingo H. Lorenz.

Foto: Ingo H. Lorenz, Versicherungsmakler aus Hannover

Die Autorin und die zitierten Experten behaupten in dem Beitrag: „Policen gegen Berufsunfähigkeit beiten oft nur einen brüchigen Schutz. Ansprüche werden abgewehrt, Verfahren ziehen sich über Jahre hin ...“ Ist das wirklich so? Schauen wir einmal gemeinsam genauer hin:

1.) Die vorvertragliche Anzeigepflicht: Diese dient zu aller erst dem Schutz der im jeweiligen Tarif versicherten Kunden. Die Autorin kritisiert zur Recht die Praxis einiger Mediziner, Diagnosen zu stellen und abzurechnen, über die der Patient und (potentielle) Kunde eines Berufsunfähigkeitsversichers nichts erfährt. Dies aber den Versicherungsunternehmen anzulasten ist absurd! Hier liegt der Fehler im System der gesetzlicher Krankenkassen (GKV), da es freiwillig oder pflichtversicherten Mitgliedern der GKV nur auf Anfrage möglich ist, diese Informationen (Stichwort: Patientenquittung) zu erhalten. Informationen, welche jeder Privatversicherte mit der Rechnung sofort erhält. Ein sachkundiger Vermittler wird diese Informationen von den jeweiligen Krankenkassen bzw. den Kassenärtzlichenvereinigungen für den Abfragezeitraum anfordern, bevor ein Antrag gestellt wird, offene Punkte klären lassen und dann die Informationen als Antragsbestandteil dem Versicherer zur Verfügung stellen.

2.) 12.000 BU-Fälle wurden nicht anerkannt. Auch hier wäre es für die Leser zielführend gewesen, Ursachenvorschung zu betreiben. Dies hole ich an dieser Stelle gerne nach: Das renomierte Analysehaus Morgen & Morgen hat 2013 diese Gründe untersucht: danach haben 32,25% der Antragsteller von BU-Leistungen auf konkrete Nachfragen des Versicherers nicht reagiert, 28,32% haben den bedingungsgemäßen BU-Grad von 50% nicht erreicht, in 13,78% der Fälle war Anfechtung bzw. Betrug seitens des Kunden ursächlich und in 9,78% lag ein Verstoß gegen die oben beschriebene vorvertragliche Anzeigepflicht vor. Und schon sieht das Bild anders aus...

3.) Fehler beim Vertragsabschluss. So tragisch die Entscheidung des Gesetzgebers war, die ehemalige schon nicht ausreichende gesetzliche Erwerbsunfähigkeitsrente durch die deutlich noch schlechtere Erwerbsminderungsrente zu ersetzen, im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherungen gelten nun mal konkrete Spielregeln. Und da ist ein Heuschnupfen u. U. eben alles, nur nicht belanglos - der kann sich nämlich zu Asthma auswachsen. Ein weiterer wichtiger Grund, die Absicherung der Arbeitskraft in professionelle Hände zu legen, z. B. in die eines anbieterunabhängigen Versicherungsmaklers. Dieser vergleicht Bedingungswerke nach den spezifischen Vorgaben des Kunden, etwas bei dem sog. "Vergleichsportale" übrigens regelmäßig versagen - eine Bedarfsermittlung, die diesen Namen verdient, findet dort i. d. R. nicht so statt, wie es aus Sicht von Experten nötig ist.

4.) Berufsunfähigkeit zweifelsfrei feststellen. Wie schon weiter oben ausgeführt, waren in 13,08% der Fälle betrügerische Absichten ursächlich für einen Leistungsantrag - es sind leider nicht alle Versicherten, die Unschuldslämmer, für die die Autorin diese in Ihrem Artikel darstellt. Selbstverständlich sind auch durch Vermittler Fehler bei der Antragstellung gemacht worden. Damit dies nicht passiert, führe ich z. B. grundsätzlich den Antragsprozess wie beschrieben durch. Und auch im Leistungsfall empfehle ich meinen Kunden, die Antragstellung von Profi`s vornehmen zu lassen. Zu diesem Zweck erhalten sie das Dienstleistungszertifikat eines spezialisierten Dienstleisters. So wird erreicht, dass auch gerade psychisch erkrankte Versicherungskunden eine Entlastung erfahren und innerhalb überschaubarer Zeit ein Leistungsanerkenntnis des Versicherers erreicht wird und Geld auf das Kundenkonto fließt.

5.) Leistungsausschlüsse und Risikozuschläge. Die Behauptung des von der Autorin zitierten Anwalts ist schlichtweg falsch! Bemühen wir auch hier eine Morgen & Morgen-Studie aus 2014  zur Aufklärung. Welche Erkrankungen sind also ursächlich? In 21,2% sind es Erkrankungen des Bewegungsapparates, 15% entfallen auf Krebs u. ä. 7,8% liegt eine Herz-Kreislauferkrankung zu Grunde, in 31,6% der Fälle, Tendenz steigend, sind psychische Leiden ursächlich! Hier muss jeder Kunde für sich und auch unter Berücksichtigung seiner Familienkrankheitsgeschichte einschätzen, wie er das Risiko Berufsunfähigkeit für sich bewertet und gewichtet. Und gemeinsam mit seinem Vermittler auch Alternativen (Grundfähigkeit, schwere Krankheitenvorsorge, etc) mit in seine Überlegungen einzubeziehen. Leider unterschlägt auch hier die Autorin den Lesern die Tatsache, das sog. Risikozuschläge i. d. R. temporär vereinbart werden können. Beispiel: Schilddrüsenerkrankung - hier kann vereinbarungsgemäß der Risikozuschlag entfallen, wenn z. B. eine medikamentöse Einstellung des Kunden erfolgreich nachgewiesen werden kann - all dies dient wiederum dem Schutz der Versichertengemeinschaft eines Tarifes.

6.) Berufsgruppenausschluss. Hier kritisiert die Politik wieder einmal etwas, was sie selbst mit der Schaffung der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente geschaffen hat. Wenn man seitens des Gesetzgebers quasi einen Basistarif analog der Krankenversicherung schaffen will, muss man auch die Frage nach der Finanzierung beantworten... Man darf gespannt sein...

7.) Lösungsansatz. Den liefere ich gern. Eine sachgerechte Recherche hätte z. B. auch ergeben, dass sich die Bereiche 5 + 6 z. B. mit Hilfe der betrieblichen Altersversorgung seit nunmehr 14 Jahren lösen lassen. Dies funktioniert u. a. über Arbeitgeber-Gruppenverträge, welche einen Verzicht auf die Gesundheitsprüfung vorsehen, oder mit dem Einsatz der sog. Dienstobligenheitserklärung.

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