BU-Berufsgruppenbingo – der Staat soll helfen

| Versicherungen | Top News von Robert Krüger Kassissa

Foto: Versicherungsmakler Gerd Kemnitz, © privat

Die Rosinenpickerei der BU-Versicherer ist ein Problem. Für den Staat, für die betroffenen Verbraucher, für die Versicherer und auch für Makler. BU-Spezialist Gerd Kemnitz aus Stollberg (Erzgebirge) zeigt nun neue Wege zur Lösung des Problems auf.

Makler Gerd Kemnitz sieht nicht, dass die Versicherungsbranche das sogenannte Berufsgruppenbingo aus eigener Kraft beenden kann. Fakt ist, dass niemand, selbst die Verbraucherschützer nicht, die Wichtigkeit der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit bezweifeln. „Trotzdem ernteten die privaten BU-Versicherer in den letzten Monaten viel Kritik. Viele Berufstätige hätten gar keine Chance auf einen bezahlbaren BU-Schutz in erforderlicher Höhe und Dauer. Dies ist ein Grund, warum einzelne Kritiker eine Rückkehr zum gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz fordern“, schreibt Makler Kemnitz in seinem Blog.

Spirale ohne Not

2001, nachdem der gesetzliche BU-Schutz für alle nach dem 1.1.1961 Geborenen abgeschafft wurde, nutzten nach Kemnitz die BU-Versicherer noch keine Berufsgruppen zur Beitragskalkulation. Erst danach fingen die Versicherer mit ihren Berufsgruppen an. Der BU-Schutz für kaufmännisch Tätige wurde preiswerter und für körperlich Tätige teurer. „Um Antiselektionseffekte zu vermeiden, mussten die anderen Versicherer auch Berufsgruppen einführen und haben dann häufig noch ,etwas genauer differenziert’“, so Kemnitz.

Ohne Notwendigkeit begann so eine Spirale, welche bis heute anhält. Ein 30-jähriger Notar kann sich eine BU-Rente in Höhe von 1.000 Euro bis zum 67. Lebensjahr für monatlich ca. 35 Euro sichern, während der Berufskraftfahrer dafür 150 Euro bezahlen muss.

Bezahlbaren BU-Schutz für alle

„Ob eine Rückkehr zum gesetzlichen Berufsunfähigkeitsschutz wirklich wünschenswert wäre, darf bezweifelt werden“, sagt Makler Kemnitz. Aber es müsse bezahlbaren BU-Schutz für alle geben. Es gäbe durchaus verantwortungsvolle Fachleute in den Chefetagen, die mit der Berufsgruppenentwicklung unglücklich seien. „Aber ein einzelner Versicherer kann die Fehlentwicklung der Berufsgruppendifferenzierung nicht rückgängig machen“, konstatiert Kemnitz. Eine gemeinsame Aktion aller BU-Versicherer sei nicht in Sicht und auch der GDV hat kürzlich behauptet, dass es nur sehr wenige Verbraucher gäbe, die kein BU-Versicherungsangebot bekommen würden. „Allerdings ignorierte er dabei all jene Interessenten, die bereits nach den ersten Informationen erkennen, dass der BU-Schutz für sie unbezahlbar ist“, moniert Kemnitz.

Von allein kommen die Versicherer laut Kemnitz nicht aus der verhängnisvollen Berufsgruppendifferenzierung. „Wenn der Gesetzgeber beispielsweise vorschreibt, dass bei der Arbeitskraftabsicherung niemand auf Grund seines ausgeübten Berufs benachteiligt werden darf, könnten alle BU-Versicherer gleichzeitig Unijob-Tarife einführen. Die befürchteten Antiselektionseffekte blieben aus und die konkrete Prämiengestaltung könnte der Markt regeln. Schließlich wurden mit der Einführung der Unisex-Tarife schon mal für unterschiedliche Risiken gleiche Versicherungsprämien erzwungen“, erläutert Kemnitz. „Auch bezüglich der Annahmepolitik bei Vorerkrankungen oder der besseren Leistungsregulierung gibt es seitens verantwortungsbewusster Versicherungsmakler interessante Lösungsvorschläge. Es wäre schade, wenn sie ungehört blieben.“

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