Blamage: Just in time

Berater Top News von Dominik Groenen

Nach dem Schlagabtausch zwischen Knip und der DVAG schaltet sich nun auch Dominik Groenen in die Diskussion ein. Hier sein offener Brief.

Foto: Dominik Groenen / screenshot youtube, procontra TV

Lieber Dennis Just, liebe Knipser!

Just in time. Pünktlich. So könnte man deine Aktion beschreiben. Deinen offenen Brief, mit dem du prompt in Richtung Deutsche Vermögensberatung „zurückgiftest“, schrieb das Handelsblatt am Dienstag. Aber ein Gift ist im Englischen ja ein Geschenk, medienstrategisch nämlich eine offene Flanke, die du bietest. Deinen Gegnern. Weswegen ich dir statt eines offenen Briefs mit einer offenen Polemik entgegne.

Und hier kommen meine Argumente, du hast ja keine genannt. Ich sage es frei raus: Ich bin nicht als Anhänger der DVAG verdächtig, aber ich stimme aus eigener Kenntnis der Innereien der meisten FinTech-Unternehmen den Aussagen und kritischen Fragen von Helge Lach auf dem Blog der DVAG zu. Zu 100 Prozent gar. In deinem offenen Brief hast du das Inhaltslos gezogen. War es dein Ärger, wie du schreibst, über die DVAG in deren Blog?

Ich finde bei dir keine Sachargumente. Keine solchen, auf die ich entgegnen könnte. Lediglich Allgemeinplätze: Du bezeichnest Versicherungsvermittler als die „mit Abstand unbeliebteste Berufsgruppe“. Zutreffend oder nicht, ja es gibt Berichte dazu, das ist aber kein Argument. Keines für Clark, Knip & andere Versicherungs- und Konto-Konsorten. Selbst dann nicht, falls du die DVAG nicht leiden könntest. „Strukturvertriebe im Pyramidensystem“ seien „einer der Hauptgründe“ dafür. Das ist eine Behauptung, aber kein Argument.

Oder meinst du die finanziellen Anreizsysteme in einigen Vertrieben? Entwarnung: Wirklich motivierte Leute sind motiviert. Ohne Geld. Oder arbeitest du des Geldes wegen? Ich nicht. Wir sind wohl beide motiviert. So ist das auch bei der DVAG, höre ich. Ungefähr zigtausendfach, sagen die. Ich glaube es. Kritisch, aber ich glaube es denen. Euch auch. Lass uns wieder zur Sache kommen und deinen keinen Argumenten.

Prüfe deine Kompetenz

Statt eigenem Argument aus deiner eigenen Kompetenz: Hilfsweise muss eine Verbraucherstudie aus dem Jahr 2008 herhalten, deren eine Kernaussage ist, die Deutschen würden jährlich um 20-30 Milliarden Euro bei Finanzen und Versicherungen geprellt. Weißt du, woher diese Zahl kommt? Aus einer Aussage eines Kapitalanlage-Funktionärs, dem im Jahr 2013 verstorbenen Carsten Lucht, dessen Milliardenzahl nie wissenschaftlich verifiziert wurde. Statt Fakten, Empirie (zählbaren Zahlen), lieferst du dir und deiner Kaste der FinTechs einen Epic Fail, medial gesehen.

Mein erster Chef sagte einmal zu mir dazu: „Dominik, wenn du Experte sein willst, prüfe vorher deine Kompetenz. Mindestens fünf Jahre“. Der DVAG schreibst du (als Argument?!) von „Beratung statt Vertrieb, einfacher Zugriff (...) per App statt künstlicher Intransparenz im Produktdschungel“. Begründe! Wo wird in der alten Versicherungswelt künstlich Intransparenz geschaffen? O.K., bei der Allianz hat der Bundesgerichtshof kürzlich endgültig das Kleingedruckte bei alten Riester-Policen kassiert. Das zeigt doch, dass Kontrolle inzwischen funktioniert.

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