Wohninvestment: Wie sich der Markt entwickelt hat

Sachwerte Top News von Michael Fiedler

Wohninvestmentmarkt: Im Vergleich zum Vorjahr stiegen Transaktionsvolumen und das Preisniveau 2015, das ergibt eine Auswertung von Savills. Wie sich der Markt entwickelte und welche Perspektiven sich ergeben.

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Knapp 22,5 Mrd. Euro umfasste das Transaktionsvolumen auf Wohninvestmentmarkt in Deutschland 2015 – und damit lag damit um zwei Drittel höher als 2014.
Insgesamt wechselten 255 Wohnungspakete den Eigentümer (2014: 254), wobei lediglich 24 dieser Transaktionen 1.000 oder mehr Wohneinheiten umfassten (2014: 40). Die Zahl der gehandelten Einheiten summierte sich auf ca. 319.500, was gegenüber dem Vorjahr einem Anstieg um 33 Prozent entspricht. Ebenfalls stark gestiegen ist das Preisniveau: Während Investoren im Jahr 2014 knapp 56.000 Euro je Wohneinheit bezahlten, waren es im vergangenen Jahr mehr als 70.000 Euro.
„Angesichts weiterhin günstiger Mietwachstumsperspektiven, die durch den absehbaren Bevölkerungsanstieg zusätzliches Futter bekommen, haben Wohnungsinvestoren ihre Zahlungsbereitschaft in den vergangenen Jahren deutlich erhöht“, erläutert Karsten Nemecek, Managing Director Corporate Finance – Valuation bei Savills Germany.

In diesen Städten wurden die meisten Wohnungen gehandelt

Das gestiegene Preisniveau ist umso bemerkenswerter, wenn man die regionale Struktur des Transaktionsgeschehens betrachtet. Zwar entfielen im vergangenen Jahr immer noch 29 Prozent aller gehandelten Einheiten auf die Top-7-Standorte – davon wiederum knapp zwei Drittel allein auf Berlin – im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre betrug der Anteil dieser Städte jedoch 35 Prozent. Zu den Städten mit den meisten gehandelten Wohnungen zählten folglich neben Metropolen wie Berlin und Hamburg auch kleinere Städte, etwa Dresden, Leipzig und Hannover.
„In der Tatsache, dass Investoren verstärkt auch außerhalb der großen Metropolen Wohnungspakete kaufen, kommen vor allem zwei Dinge zum Ausdruck: Erstens der starke Nachfrageüberhang in den Top-Standorten, zweitens das generelle Vertrauen der Investoren in den deutschen Wohnungsmarkt“, so Matthias Pink, Director und Head of Research bei Savills Germany.
Bei diesen Investoren handelt es sich fast ausschließlich um einheimische Käufer. Fast 90 % des gesamten im Jahr 2015 erzielten Transaktionsvolumens ist Käufern aus Deutschland zuzurechnen.

Auf der Verkäuferseite spielten ausländische Akteure mit einem Anteil von 58 Prozent am Transaktionsvolumen eine bedeutendere Rolle, wobei hier vor allem Investoren aus Nordamerika auftraten (41 %). Im Hinblick auf die Investorentypen dominierten die börsennotierten Wohnungsgesellschaften sowohl auf der Käufer- (15,2 Mrd. Euro) als auch auf der Verkäuferseite (10,9 Mrd. Euro). Allein die Vonovia kaufte im vergangenen Jahr mehr als 150.000 Wohneinheiten hinzu und war damit größte Käuferin. Auf den weiteren Plätzen im Ranking der aktivsten Käufer folgen mit der Deutschen Wohnen, der LEG Immobilien sowie der Adler Real Estate drei weitere börsennotierte Gesellschaften.

Auch in Vorausschau auf das gerade begonnene Jahr ist davon auszugehen, dass die Wohnimmobilien-AGen auf Wachstumskurs bleiben und auf der Käuferseite deshalb weiterhin die führende Rolle einnehmen werden. Allerdings wird es zunehmend schwerer, weiteres Wachstum zu realisieren, sei es durch Unternehmensübernahmen oder durch den Zukauf von Wohnungsportfolios. „Da deutsche Wohnimmobilien bei Investoren nach wie vor hoch im Kurs stehen, wird auch das Jahr 2016 in puncto Transaktionsvolumen überdurchschnittlich ausfallen“, ist Nemecek dennoch überzeugt. Konkret heißt das: Die Marke von 10 Mrd. Euro wird auch im laufenden Jahr überschritten. Sollte zudem die Vonovia ihre geplante Übernahme der Deutsche Wohnen AG im laufenden Jahr durchführen (procontra berichtete: „Deutsche Wohnen: Übernahme schafft keine Wohnungen“), wird das Transaktionsvolumen sogar erneut die Marke von 20 Mrd. Euro überschreiten.

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