„Widerrufsjoker“ – Rechtsanwälte gehen auf Mandantenfang

| Beteiligungen & Sachwerte von Robert Krüger Kassissa

Foto: © Mi.Ti./Fotolia

Baufinanzierungskunden sollten sich sputen – so zumindest die Meinung einiger Anwälte, die nun auf Roadshow gehen und Mandanten den noch gültigen Widerrufsjoker zugutekommen lassen wollen.

Die geplante Abschaffung des „Widerrufsjokers“ in Baufinanzierungsverträgen ist für den 21. März vorgesehen. Es bleibe nicht daher mehr viel Zeit wie Rechtsanwälte wie Kälberer & Tittel aus Berlin nun warnen. Mehr als 20 Anwaltskanzleien haben sich deshalb zur „Arbeitsgruppe Widerruf“ zusammengeschlossen und gehen von Mitte Januar bis 21. März bundesweit quasi auf „Roadshow“.

„Selten haben sich Anwälte und Kanzleien bundesweit zu einer so großen Informationskampagne zusammengeschlossen, sagt der Berliner Rechtsanwalt und Gründungsmitglied der Gruppe André Tittel. „Wir wollen mit unserer Öffentlichkeitsarbeit Kreditnehmer und Verbraucher stärker über die aktuelle Rechtslage und die bevorstehende Änderung aufklären. Bei unseren Informationsveranstaltungen, die in vielen Städten angeboten werden, wollen wir vor Ort informieren und Fragen von Kreditnehmern beantworten.“ Dier Termine und Orte finden sich auf www.jetzt-widerrufen.de.

70 bis 80 Prozent mit falschen Widerrufsbelehrungen

Vom unbefristeten Widerrufsrecht sind insbesondere Darlehensabschlüsse aus der Zeit zwischen November 2002 und Ende 2010 betroffen, denn in diesen Jahren enthielten ca. 70 bis 80 Prozent der Verträge falsche Widerrufsbelehrungen. Der Ausstieg per Widerruf (und ohne Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung) sei bei Immobiliendarlehen wegen deren Höhe und der meist langen Laufzeit besonders interessant.

Voraussetzung einer solchen „Umschuldung“ per Widerruf ist, dass die Widerrufsbelehrung im Altvertrag fehlerhaft ist, was im Einzelfall zu prüfen ist. 

EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten

Grund für die Abschaffung des „Widerrufsjokers“ die Umsetzung der EU-Richtlinie zu Wohnimmobilienkrediten. Der derzeitige Vorschlag der Bundesregierung sieht vor, das „ewige“ Widerrufsrecht für Altverträge drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes auslaufen zu lassen. Das wäre dann im Juni 2016, denn nach aktueller Planung soll das Gesetz am 21. März 2016 wirksam werden. „Es ist auch nicht ganz auszuschließen, dass der ,Widerrufsjoker’ bereits sofort mit Inkrafttreten des Gesetzes erlöschen wird. Auch Verbraucherverbände raten deshalb, schnell zu handeln“, so Rechtsanwalt Kälberer.

Selbst Baufinanzierungs-Kunden, welche bereits aus ihrem Vertrag ausgestiegen haben, haben nach der derzeit noch geltenden Regelung die Chance, eine bereits gezahlte Vorfälligkeitsentschädigung zurückzuerhalten.  

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