Überschussbeteiligung: Swiss Life erklärt Kürzung

Versicherungen LV-Check Top News von Matthias Hundt

Mit 0,75 Prozentpunkten kürzte die Swiss Life am deutlichsten ihre laufende Verzinsung für 2016 und stellt mit 2,25 Prozent auch das niedrigste Niveau am Markt. Welche Erwartungen an das Zinsniveau dahinterstecken und wie Solvency II mit reinspielt.

Foto: Swiss Life, Standort München/Garching b. München

procontra: Warum mussten Sie Ihre laufende Verzinsung für 2016 so deutlich kürzen, obwohl das Vorjahres-Niveau bereits unter Marktschnitt lag?  

Swiss Life: Da wir an der Zinsfront mit keiner nachhaltigen Veränderung zum Besseren rechnen, haben wir unsere Überschussdeklaration für das Geschäftsjahr 2016 betont vorsichtig angesetzt. Auch angesichts der Erfahrungen in unserem Schweizer Heimatmarkt, in dem sogar negative Zinsen zum Dauerzustand geworden sind, beteiligen wir uns bewusst nicht an einer Überschusspolitik, die von der Hoffnung auf eine Zinswende getragen ist.

Unser primäres Ziel ist es, unser Unternehmen so aufzustellen, dass wir selbst bei pessimistischen Annahmen ein Umfeld anhaltend niedriger Zinsen dauerhaft meistern können. Die für unser Unternehmen vordringlichen Steuerungsgrößen sind deshalb die dauerhafte Erfüllung der Anforderungen von Solvency II, des Swiss Solvency Tests und die Sicherstellung der Finanzierung der Zinszusatzreserve.

procontra: Wie lautet das aktuelle BaFin-Urteil bezüglich Solvency II?

Swiss Life: Wir sind in Sachen Solvency II exzellent positioniert. Die letzte Vollerhebung der BaFin zu Solvency II hat die deutsche Niederlassung ohne Inanspruchnahme der Übergangshilfe bestanden – und der gesamte Konzern kann bei Solvency II eine Bedeckung von über 200 % zeigen. Zum anderen haben wir den Bestand allein im Geschäftsjahr 2015 mit einer Aufstockung der Zinszusatzreserve um rund 220 Millionen Euro gestärkt.


Schon länger unter Marktschnitt. Fairerweise ist zu erwähnen, dass die Kürzung für 2016 auch deshalb so deutlich ausfiel, weil das Unternehmen in 2015 die Überschussbeteiligung unverändert bei 3 Prozent hielt.



procontra: 
Für Makler und Kunden liefert die laufende Verzinsung eine wichtige Orientierung. Wie kommunizieren Sie die deutliche Kürzung sowie das niedrige Niveau in diese Richtung?

Swiss Life: Eine realistische Überschussdeklaration ist im Interesse der Kunden und einer fairen Beratung. Niemandem ist mit einer Überschussdeklaration bzw. einer Hochrechnung gedient, die dauerhaft am Kapitalmarkt nicht erwirtschaftet werden kann. Darüber hinaus ist aus unserer Sicht die Höhe der Überschussdeklaration für die klassische Lebensversicherung kein geeigneter Gradmesser mehr für die Wettbewerbsfähigkeit und vor allem für die dauerhafte Überlebensfähigkeit eines Lebensversicherers. Die Überschussdeklaration muss nachhaltig sein. Denn langfristige Sicherheit zählt in der Altersvorsorge mehr als ein kurzfristiges Renditeversprechen.

Darum liegt unser Augenmerk nicht auf der Erzielung kurzfristiger Wettbewerbsvorteile, sondern auf der langfristigen Absicherung der Leistungsversprechen, die wir unseren Kunden gegeben haben. Das erkennen unsere Geschäftspartner überwiegend an und wird auch von der BaFin eingefordert: Diese mahnt die Versicherer angesichts der schwierigen Kapitalmarktsituation zu einem behutsamen Umgang mit dem Instrument der Überschussbeteiligung. Swiss Life bekennt sich klar zur Positionierung als ein führender Maklerversicherer.

Unser Hauptanliegen ist und bleibt es, unsere Geschäftspartner und deren Kunden auch in Zukunft als verlässlicher Partner zu begleiten. Aktuelle Ratings und Auszeichnungen zeigen deutlich, dass wir in der Gunst der Makler im letzten Jahr einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht haben.    

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