Gewerbe: Sind Schäden durch Vandalismus versichert?

Berater Top News von Michael Fiedler

Leipzig: Am 11.01.2016 ereignete sich der „massivste Überfall von Rechtsradikalen auf Geschäfte und Wohnhäuser seit 1938“ in der Messestadt. Die Höhe des Sachschadens ist noch unklar. Wie sich Gewerbetreibende richtig absichern.

Fotolia / pitrs

Gegenüber der Leipziger Volkszeitung sprach der Historiker Sascha Lange vom „massivsten Überfall von Rechtsradikalen auf Geschäfte und Wohnhäuser seit 1938“ in Leipzig. Bei den Ausschreitungen wurden über 20 Geschäfte beschädigt: Optiker, Backstube, Musik- und Instrumentenhandel, auch eine Buchhandlung.
Der Besitzer eines Imbiss schildert den Angriff: „Die Angreifer sind hier reingestürmt, haben Parolen gegen Ausländer geschrien und angefangen, die Möbel zu zerstören.“
Er schätzt den Schaden allein in seinem Geschäft auf 20.000 Euro. Die Schaufenster wurden komplett entglast, pyrotechnische Erzeugnisse im Gastraum gezündet und die Tageskasse gestohlen.

Im Netz heißt es, dass nicht alle betroffenen Ladenbesitzer über ausreichenden Versicherungsschutz verfügen. Worauf sollte also bei der Absicherung eines Ladengeschäfts geachtet werden?

Schaufensterscheiben gehören nicht zum Betriebsinhalt. Zwar können die Scheiben über die Gebäudeversicherung des Vermieters abgesichert sein, doch Ladenbesitzer sollten sich darauf allein nicht verlassen. „Einen Antrag auf Schadensregulierung kann nur der Versicherungsnehmer stellen“, sagt Stephan von Heymann, Sach-Experte vom Maklerpool aruna. Und der ist in diesem Fall der Vermieter bzw. die Hausverwaltung. Zudem ist in vielen gewerblichen Mietverträgen geregelt, dass der Mieter für Schäden an der Mietsache aufkommen muss. Besser sei es, eine eigene Glasversicherung abzuschließen.

Versicherungsschutz prüfen

In vielen älteren Bedingungswerken zur Betriebsinhaltsversicherung sind Schäden durch Vandalismus nur im Zusammenhang mit Einbruch-Diebstahl versichert, bestätigt auch Ralf Kramer (compactTeam Makler GmbH) gegenüber procontra. Er empfiehlt Allrisk-Lösungen für Betriebe, wie sie beispielsweise von Hiscox oder Markel angeboten werden.

Extended Coverage mitversichert?

Einige Anbieter, wie Continentale oder Interlloyd (hier sogar ohne SB), haben in ihren Gewerbe-Lösungen auch sogenannte EC-Gefahren mitversichert. Diese Deckungserweiterung stammt ursprünglich aus dem Bereich der Betriebsunterbrechungsversicherung und sichert auch „böswillige Zerstörung“ ab. Makler und Gewerbetreibende sollten prüfen, ob die Absicherung von EC-Gefahren in ihrem Vertrag gegeben ist oder  hinzugekauft werden kann, rät Stephan von Heymann.

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