„Windkraft-Gegner kommen vielleicht nur massiver zu Wort“

| Beteiligungen & Sachwerte von Robert Krüger Kassissa

Foto: Karsten Reetz, Geschäftsführer reconcept Gruppe

Trotz der unbestreitbaren Vorzüge der Windkraft, scheint sich in Deutschland eine Anti-Stimmung breit zu machen. reconcept-Chef Karsten Reetz über Windkraft in Finnland, den Prokon-Fall und die Fehler in alten Fondskalkulationen.

procontra: Land auf und ab gibt es Bürgerinitiativen, die sich für bestimmte Mindestabständen zwischen Windrädern und Wohnhäusern stark machen. Warum ist die Stimmung in der deutschen Bevölkerung so Anti-Windkraft?

Karsten Reetz: Es gibt keine generelle Anti-Stimmung. Sicher, viele Bürger fühlen sich subjektiv vom Anblick von Windrädern gestört. Strittig sind dabei vor allem die Frage des Mindestabstandes von Windrädern zu Wohngebieten sowie Anlagen in Waldregionen. Doch gleichzeitig wird die Energiewende von der Mehrheit der Deutschen mitgetragen. Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens für die Umstellung der deutschen Energieversorgung von Kohle und Atom auf erneuerbare Energiequellen. Und dass die Windenergie die tragende Säule der Energiewende ist und bleibt ist über sämtliche demokratischen Parteien unumstritten. Zudem ist die Windenergie eine der wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland.

Übrigens ausgerechnet im Süden Deutschlands, wo deutlich weniger Windräder stehen als im Norden, gibt es Gegenwind. Norddeutschland scheint grüner zu denken. Dies belegt auch eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK. In eine ähnliche Richtung weist eine Forsa-Studie im Auftrag von naturEnergiePlus: Gefragt nach den Negativ-Assoziationen im Zusammenhang mit der Energiewende, nannte nur 1 Prozent der Befragten Windenergieanlagen.

Vielleicht schaffen es die Kritiker nur massiver in die Medien zu kommen?

procontra:
Wie sehr hat der Prokon-Fall die Stimmung unter deutschen Windkraftanlegern beeinflusst?

Reetz:
Der Skandal hat viele Anleger sehr verunsichert. Kaum verwunderlich, mehrere zehntausend Anleger haben durch das prekäre Geschäftsmodell von Prokon, das an ein Schneeballsystem erinnert, ihr Vermögen weitgehend verloren. Anleger sind heute kritischer, fragen vermehrt nach Details, wollen Gutachten lesen und plausible Kalkulationen präsentiert bekommen.

Dies ist vielleicht das Positive an dem Prokon-Skandal: Anleger sind im positiven Sinne kritischer bzw. mündiger geworden. Denn nicht das Investment in Windenergie wurde durch Prokon in Frage gestellt, sondern allein deren Geschäftsmodell.

procontra: Die umfassende Windkraftfonds-Studie des Anlegerbeirates des Bundesverbands Windenergie (BWE) aus 2013 hat für reichlich Furore gesorgt. Das Ergebnis: Zwei Drittel der Windkraftsfonds liegen weit unter der Ertragsprognose. Was waren die grundlegenden Fehler, die Windkraftfonds mit deutschen Standorten gemacht haben?

Reetz: Offensichtlich waren in den Anfängen der Windenergie die Ertragsprognosen deutlich zu positiv. Vom Wind hängt letztendlich der Umsatz einer Anlage ab, ihre Fähigkeit, Kosten zu decken und Auszahlungen zu erwirtschaften. Der mit der BWE-Analyse damals betraute Steuerberater Daldorf kam zu dem Ergebnis, dass die Windräder im Schnitt 13 Prozent weniger Umsatz erwirtschaften als geplant. Das heißt auch, dass die Wirtschaftlichkeitsprognosen der Planungsbüros sich systematisch verschätzt haben. Zudem wurden mögliche technische Ausfälle der Anlagen zu optimistisch eingeschätzt und damit die Kosten für Versicherungen unterschätzt.

procontra:
Und was machen Fonds jüngerer Generation konzeptionell besser?

Reetz:
Windertragsprognosen haben sich qualitativ stark weiter entwickelt und sind heute wesentlich verlässlicher. Die Kranverfügbarkeit, also mögliche Anlagenstillstände bei Getriebeanlagen durch Wartung und Reparaturen, können heute dank jahrzehntelanger Erfahrung realistischer eingeschätzt werden. Hersteller garantieren heute eine Mindestverfügbarkeit der Anlagen von 95 Prozent und mehr

Bei reconcept basieren Kalkulationen grundsätzlich auf mehreren unabhängigen Windgutachten. Darüber hinaus werden Sicherheitsabschläge von den Windprognosen mit eingerechnet. Mit den Anlagenherstellern werden zudem Vollwartungsverträge über in der Regel 15 Jahre abgeschlossen.

Seite 1: Was die jüngeren Fonds aus den Fehlkalkulationen gelernt haben
Seite 2: Was in Finnland anders als in Deutschland ist

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