Druck auf Lebensversicherer wächst

Versicherungen von Stefan Terliesner

Assekurata erwartet Nachreservierungen in Höhe von 12 Milliarden Euro. Erstmals auch Altverträge mit Garantiezins von 2,75 Prozent betroffen. Eingriff des Gesetzgebers wird erwartet.

Fotolia / Sergey Nivens

Die deutschen Lebensversicherer stehen unter immer stärkerem Druck. Für Altverträge mit hohen Garantien muss die Branche im aktuellen Jahr voraussichtlich insgesamt 12 Milliarden Euro für die Zinszusatzreserve (ZZR) zurückstellen. „Es wird zunehmend schwer, die Anforderungen zu stemmen“, sagte laut Börsen-Zeitung Reiner Will, Chef der Kölner Ratingagentur Assekurata. Die ZZW wächst von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Turnus mussten die Lebensversicherer voraussichtlich rund 10 Milliarden Euro zurücklegen. Leser können die Entwicklung für den Markt sowie für die einzelnen Gesellschaften im procontra-LV-Check unter dem Menüpunkt Zinszusatzreserve nachvollziehen.

ZZR dennoch sinnvoll

Erstmals gebe es im laufenden Jahr auch für Verträge mit einem Garantiezins von 2,75 Prozent eine Nachreservierungspflicht. Damit seien inzwischen 70 Prozent des Sicherungsvermögens betroffen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Assekurata. Voraussichtlich spätestens ab 2018 müssten die Lebensversicherer auch für Verträge mit einem Zinsversprechen von 2,25 Prozent einen Puffer zurücklegen. Gleichwohl habe Will das Instrument der ZZR gelobt. Es sei gut, die Zinszusatzreserve zu bilden, auch unter Schmerzen. „Das Geld fließt dann nicht woanders hin“, sagt Will laut Medienbericht. Ökonomisch würden es mit der Bildung des Puffers bei einigen Gesellschaften bald Probleme geben. Dann werde entweder die Reservebildung gestreckt oder die Methodik verändert. „Wir glauben nicht, dass man den Zug einfach vor die Wand fahren lässt“, zitiert die Zeitung den Assekurata-Chef.

Verzinsung im Sinkflug

Darüber hinaus berichtet Assekurata in einer Pressemitteilung über die Entwicklung der laufenden Verzinsung. Sie habe wie erwartet einen neuerlichen historischen Tiefstand erreicht. In der privaten Rentenversicherung, der im Neugeschäft bedeutendsten Versicherungsart, werde im Durchschnitt eine laufende Verzinsung in Höhe von 2,86 % gewährt. Gegenüber 2015 (3,16 %) sei die Deklaration somit um 30 Basispunkte (Vorjahr: 24 Basispunkte) zurückgegangen. Die höchste laufende Verzinsung liege bei 3,70 %.

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