„Die fetten Jahre der Schwellenländer sind vorbei“

| Investmentfonds | Investment-Talk | Top News von Matthias Hundt

Wojciech Stanislawski, Fondsmanager Comgest Growth Emerging Markets und Comgest Magellan

Wojciech Stanislawski gehört zu den besten Fondsmanagern für Schwellenländer. Warum Russland kaum Chancen in seinem Portfolio hat, wann die Jahre wieder fetter werden und mit welcher Strategie er die letzten Jahre outperformte

Es ist noch nicht lange her, da erzielten Schwellenländer Jahresrenditen, die heute nicht mal über drei Jahre erzielt werden. procontra sprach mit einem der besten Fondsmanager für Schwellenländer, Wojciech Stanislawski, Fondsmanager des Comgest Growth Emerging Markets und Comgest Magellan, über die veränderten Einflussfaktoren.

procontra: Die Performance der Schwellenländer war in den vergangenen Jahren relativ schwach, aus China gab es 2016 bislang auch eher schlechte Impulse. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Wojciech Stanislawski: Der Drang zu strukturellen Reformen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Schwellenländer erhöhen und die Abhängigkeit von ausländischem Kapital verringern sollen, ist groß und in Volkswirtschaften wie China oder Indien auf dem Weg. Die schwache Entwicklung, insbesondere in Hartwährung gerechnet, hat in den letzten Monaten nochmals an Intensität gewonnen. China versucht den Wandel zu einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft zu vollziehen, während es im Bereich der Industrie sowie Infrastruktur erheblichen Restrukturierungsbedarf gibt.
Wir sehen das Land auf einem guten Weg und die Obsession des Kapitalmarktes auf den neuerlichen Kapitalabfluss sowie die Schwäche des Renminbi als übertrieben an. Dem chinesischen Konsumenten geht es gut. Das Bild in Brasilien oder Südafrika, wo es keinerlei politische Leadership gibt, sieht dagegen schlechter aus. Aus unserer Sicht kann eine stabilere Zahlungsbilanzsituation und Währung, die dann wieder zu Kapitalzuflüssen führen kann, nur über ein weiteres Jahr der Rezession entstehen. Trotzdem gibt es auch in diesen Ländern sehr erfolgreiche Qualitätswachstumsunternehmen, die aber naturgemäß mit einem härteren binnenwirtschaftlichen Umfeld klarkommen müssen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

procontra: Was bedeutet das jetzt konkret für Investoren?

Stanislawski: Investoren sollten sich nicht mehr fragen, ob sie ihre Bestände in Aktien der globalen Schwellenländer verkaufen, sondern mit einem langfristigen Anlagehorizont kontinuierlich über die kommenden Jahre investieren. Die Bewertungen der globalen Schwellenländeraktien sowie seiner Währungen signalisiert, dass einiges an schlechten Nachrichten bereits eingepreist ist.

procontra: In Ihrer Länder-Allokation tauchen drei der vier BRIC-Staaten auf. Warum spielt Russland kaum eine Rolle?

Stanislawski: In Russland können wir nur beschränkt Erfolg haben, da das Land durch den Energie- und Bankensektor beherrscht wird. Unsere Top Picks in Russland liegen im Bereich des Internets, der sozialen Netzwerke sowie dem Lebensmitteleinzelhandel.


Fonds-Fakten
 

FondsKAGVol. in €Rendite in %Max. Wertverlust in %Volatilität in%TER in %
20153_Jahre3 Jahre3 Jahre
MagellanComgest1.875 Mio.-2,117,1-20,413,91,98
Comgest Growth Emerging MarketsComgest1,8 Mio.-0,411,9-12,110,32,14
Peergroup - Aktien Schwellenländer global-5,2-1,93-22,114,61,81
Quelle: Lipper-Stand 31.12.2015


procontra:
Die Niederlande machen rund 5 Prozent Ihres Portfolios aus - wie passen die Niederlande in einen Schwellenländer-Fonds?

Stanislawski: Wir halten eine Position in Heineken, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes in den globalen Schwellenländern generieren. Der Sitz des Unternehmens sowie die Heimatbörse haben daher weniger Bedeutung als die wirtschaftliche Ausrichtung des Unternehmens.

procontra: Mit welcher Strategie gelang Ihnen die Outperformance zum Beispiel mit dem Comgest Magellan?

Stanislawski: Durch unseren Bottom-up-Ansatz investieren wir nur in Unternehmen, deren Gewinnwachstum über mindestens fünf Jahre vorhersehbar und zweistellig ist. Somit sind wir nicht und waren auch nie in Rohstoff- oder Energieunternehmen sowie Banken investiert, deren Gewinnsituation von Rohstoffpreisen oder Kreditnachfrage und Zinsen getrieben wird. Der Prozess sieht keine Länder- oder Sektorallokation vor, jedoch hatte erfolgreiches Stock Picking im Raum Asia ex eine hohe Exposure nach China und Indien zur Folge.
Unsere Strategie kann nur über Unternehmen gelingen, die mikroökonomische Stärken haben (Innovationskraft, Management, Unternehmensgröße, Marke etc.), die es dem erlauben, möglichst unabhängig vom wirtschaftlichen Zyklus zu wachsen. TSMC in Taiwan oder Netease in China sind zwei Beispiele, um Wachstumschancen zu ergreifen mit hoher Profitabilität, starken Cash Flows und gesunden Bilanzen.

Seite 1: „Die fetten Jahre der Schwellenländer sind vorbei“ 
Seite 2: Wann die Jahre wieder fetter werden

Tippen Sie als Einzelspieler oder mit Ihren Kollegen im Team und gewinnen Sie tolle Preise

Dirk Müller, Börsenmakler, Fachautor und Fondsmanager, mit seinem Blick auf 2016 und warum er den Wirtschaftsdaten aus China nicht traut

Platzt so der bAV-Knoten?

Branchengezwitscher

Facebook

Kranke(n)Versicherung? Der Niedrigzins breitet sich virusartig von den Lebensversicherern nun vermehrt auf die privaten Krankenversicherer aus. Doch wie steht's wirklich um die Branche und einzelne Anbieter?

Die procontra-App für Ihr Smartphone