Die 3 Möglichkeiten mit Anleihen Geld zu verdienen

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Marco Herrmann, Geschäftsführer der Fiduka Vermögensverwaltung

Marco Herrmann, Geschäftsführer der Fiduka Vermögensverwaltung, über die verbliebenen Alternativen am Rentenmarkt, sofern dieser für einen Mischfonds überhaupt noch in Frage kommt.

procontra: Mischfonds konnten in 2015 über 36 Mrd. Euro an neuen Mitteln einsammeln und verwalten nun mehr als Rentenfonds. Wie begründen Sie diese Entwicklung?

Marco Herrmann: Viele Anleger und Berater haben endlich erkannt, dass auf dem anhaltend niedrigen Zinsniveau nur in bestimmten Rentenfondssegmenten – etwa Fremdwährungen oder High Yield – überhaupt noch theoretische Ertragschancen nach Kosten vorhanden sind. Daher setzen viele Anleger nun auf Mischfonds, die bei einem veränderten Marktumfeld die Allokation anpassen können. Auch wir haben in unseren Mischfonds, wenn auch überschaubare, externe Zuflüsse gesehen.

procontra: Ihr Fonds ist mit 92 Prozent in Aktien investiert. Wie gemischt ist ihr Mischfonds überhaupt noch, wenn alle anderen Assetklassen anscheinend unattraktiv sind?

Herrmann: Im jetzigen Tiefzinsumfeld ist im Prinzip nur eine Mischung von Aktien und Kasse sinnvoll. Diese Situation wird sich so schnell auch nicht ändern.

procontra: Wäre die Bezeichnung Aktienfonds mit der Option zu mischen aktuell treffender?

Herrmann: Ja, das trifft es ganz gut.

procontra: Dennoch tangiert einen Mischfonds-Manager auch der Anleihenmarkt. Wo bieten sich dort Ertragschancen, trotz niedriger Zinsen?

Herrmann: Wenn man heutzutage mit Anleihen Geld verdienen möchte, gibt es nur drei Möglichkeiten: sehr lange Laufzeiten, bonitätsschwache Emittenten oder Fremdwährungen. Die beiden letzteren könnten im Laufe des Jahres durchaus interessant werden. In die sogenannten High Yield Anleihen sollte man aber breitgestreut investieren, um das Einzeltitelrisiko zu reduzieren. Für Fremdwährungsinvestments jenseits des US-Dollars gilt es noch, auf eine Stabilisierung der Rohstoffpreise zu warten. Dann dürften die Norwegische Krone, der Kanadische Dollar und ein paar Schwellenländerwährungen aussichtsreiche Anlagen sein.
 

Fonds-Fakten 

FondsKAGVol. in €Rendite in %Max. Wertverlust in %Volatilität in%TER in %
20153_Jahre3 Jahre3 Jahre
FIDUKA Multi Asset Dynamic UIUniversal-Invest GmbH44,5 Mio.14,450,0-9,210,41,32
Peergroup - Mischfonds global aggressiv5,225,2-12,39,72,07
Quelle: Lipper-Stand 31.12.2015


procontra:
Ihr Fonds gehört zu den besten der Peergroup (Mischfonds global aggressiv) der vergangenen drei Jahre. Welche Strategie war die Grundlage für dieses Ergebnis?

Herrmann: In den vergangenen drei Jahren hat sich die hohe Gewichtung von Aktien bezahlt gemacht. Die per Saldo gute Entwicklung von Aktien lief aber nicht ohne Schwankungen ab. Insbesondere im letzten Jahr haben wir die Übertreibung im Frühjahr gut erkannt und die Aktienquote temporär reduziert und später die kräftigen Kursrückgänge wieder zum Aufbau genutzt. Ebenfalls ausschlaggebend für das überdurchschnittliche Abschneiden des Fonds dürfte aber die richtige Aktienauswahl gewesen sein. In Anbetracht eines mäßigen globalen Wirtschaftswachstums haben wir zyklische Unternehmen gemieden und lieber auf klassische Wachstumswerte aus den Branchen Gesundheit und Einzelhandel gesetzt. Ebenso haben wir die Stärke des US-Dollars im Vorfeld gut erkannt und in den USA die klassischen Exporteure rechtzeitig verkauft. Auch Aktien aus dem Rohstoffsektor oder Banken haben wir seit Jahren schon nicht mehr im Portfolio. Einzige Ausnahme ist eine Anfangsposition im Öl-Sektor, der unter Value-Gesichtspunkten zunehmend attraktiver wird.

 

procontra: Warum ist knapp die Hälfte ihres globalen Portfolios in Europa investiert?

Herrmann: Der FIDUKA Multi Asset Dynamic ist ein wichtiger Baustein für unsere Vermögensverwaltung und auch primär für unsere Kunden gedacht, für die eine klassische Benchmark wie z. B. der MSCI Welt nicht immer optimal ist. Daher berücksichtigen wir Deutschland und Europa stärker in der Allokation, sofern wir hier auch gute Anlagemöglichkeiten sehen. Wie schon im letzten Jahr, gehen wir auch in 2016 von einer relativ besseren Entwicklung der europäischen Aktienmärkte aus. Dank der nochmals expansiveren Geldpolitik der EZB und der extrem niedrigen Energiepreise kommt wieder etwas Schwung in die wirtschaftliche Entwicklung, besonders im Einzelhandel. Mittlerweile erkennt man diese positive Tendenz auch am Arbeitsmarkt, wo die Arbeitslosenzahlen wieder sinken. Die positivere Konjunkturentwicklung sollte auch bald bei den immer noch zyklisch gedrückten Gewinnmargen der europäischen Unternehmen zu einer Verbesserung führen. Vorsicht ist aber weiter geboten im Rohstoffsektor oder bei Unternehmen mit hohen Geschäftsanteilen in den Schwellenländern.   

procontra: Mit welcher Strategie wollen Sie auch zukünftig ein überdurchschnittliches Rendite-Risiko-Ergebnis abliefern?

Herrmann: Trotz der derzeit heftigen Kursschwankungen sehen wir bei Aktien auch in 2016 die besten Chancen. Ähnlich wie im Vorjahr kommt der richtige Aktienauswahl eine hohe Bedeutung zu. Im Kursrutsch seit Jahresbeginn kamen Aktien von aussichtsreichen Unternehmen ähnlich stark unter die Räder, wie der Rest des Marktes. Dies eröffnet wieder Chancen, die wir nutzen werden. Ansprechpartner ist Marco Herrmann, Geschäftsführer.  

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