Dashcams sollen Schadenregulierung beschleunigen

Versicherungen von Michael Fiedler

Wer trägt wieviel Schuld an einem Unfall? Diese Frage beschäftigt Versicherer, Geschädigte und Gutachter. Kleine Videokameras hinter der Windschutzscheibe könnten nach Vorstellungen der Versicherungswirtschaft zur schnelleren Klärung beitragen und so die Schadensregulierung beschleunigen.

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Am 04. und 05.November 2009 kamen Verkehrsrechtsexperten der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., des Deutschen Anwaltsvereins, von ADAC, GDV und Allianz zusammen, um eine Musterquotentabelle („Goslaer Orientierungsrahmen“) zu erstellen. Denn seit Inkrafttreten des neuen VVG zum 01. Januar 2008 war klar: das alte Alles-oder-Nichts-Prinzip in der Kfz-Versicherung muss geändert werden. Seitdem gibt es die sogenannte Quotelung, bei der Versicherungsleistungen in Abhängigkeit vom Grad des Mitverschuldens erbracht werden.

Was kompliziert klingt, führt in der Praxis mitunter zu langwierigen Gutachten und Gegengutachten.
Das soll nach Vorstellungen der Versicherungswirtschaft nicht so bleiben. Mit Dashcams, kleinen Kameras, die hinter der Windschutzscheibe platziert werden, soll die Schuld- und Mitschuldfrage schneller und einfacher geklärt werden.
„Dashcams liefern objektive und leicht auszuwertende Informationen und könnten diverse unfallanalytische Gutachten überflüssig machen“, sagt Uwe Cremerius, Leiter der Kommission Kraftfahrt Schaden im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das würde auch die Schadenregulierung beschleunigen.

Datenschutz steht im Weg

Zwar seien die Kameras in Deutschland nicht verboten, doch wer während der Fahrt Personen und Kennzeichen durchgehend aufzeichnet, verstößt gegen den Datenschutz, führt der GDV aus. Erlaubtsei nur, die Kamera unmittelbar vor oder während einer Gefahrensituation einzuschalten. „Das ist völlig unrealistisch“, kritisiert Cremerius. „In einer Gefahrensituation versuchen die Fahrer, den Unfall zu verhindern und werden kaum daran denken, die Dashcam einzuschalten.“ Cremerius schlägt vor, solche Kameras zuzulassen, die eine Fahrt lediglich für einen kurzen Zeitraum aufzeichnen und ältere Aufnahmen kontinuierlich löschen. „So würden wir die Chancen des technischen Fortschritts nutzen und den Erfordernissen des Datenschutzes gerecht werden“, sagt Cremerius.

Dashcams helfen bei der Aufklärung, verhindern aber keine Unfälle

Auf die Verkehrssicherheit dürften sich die Dashcams aus Sicht der Versicherer hingegen nicht positiv auswirken. Wie eine Auswertung mehrerer Studien durch die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergab, ändern Fahrer nach dem Einbau einer Dashcam ihr Verhalten höchstens kurzfristig. „Am grundsätzlichen Fahrstil ändern Dashcams überhaupt nichts“, so Siegfried Brockmann, Leiter der UDV.

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