China: Warum der Aktienmarkt einbrach

| Investmentfonds von Anna Ho, Fondsmanagerin Nestor China & Nestor Fernost

Anna Ho, Fondsmanagerin Nestor China & Nestor Fernost

Kaum hatten sich die chinesischen Aktienmärkte wieder beruhigt, brachen die Börsen zu Beginn des Jahres erneut ein. Anna Ho managt den erfolgreichsten Aktienfonds Asien Pazifik der vergangenen Jahre und kommentiert die Lage

Zuallererst kehrte das Schreckensgespenst der Renminbi-Schwäche zurück und setzte dem Markt stark zu. Hinzu kommt: Der A-Share-Aktienmarkt hat neuerdings einen marktweiten Handelsstopp eingeführt. Fällt der Index um mehr als fünf Prozent, wird der Aktienhandel für 15 Minuten ausgesetzt. Bei einem Verlust von mehr als sieben Prozent wird der Handel sogar den ganzen Tag lang ausgesetzt. Die erste Stufe des vorrübergehenden Handelsstopps des Shanghai und Shenzen-Index gestern um 13.15 Uhr sorgte für enorme Panik unter den Investoren. Als der Handel wieder aufgenommen wurde, dauerte es lediglich wenige Minuten, bis beide Indizes um weitere zwei Prozent fielen – was die Schließung des Handels für den Rest des Tages zur Folge hatte.
Zwar sind auch die schwache Wirtschaft sowie die bevorstehende Aufhebung von Verkaufs-Beschränkungen für Groß-Aktionäre Gründe für die derzeitige Marktschwäche. Vor allem jedoch ist ein Crash dieses Ausmaßes auf die erstmalige Aussetzung des Handels zurückzuführen.

Seit die A-Share-Aktienmärkte gestern ab 13.30 Uhr für den Tag geschlossen waren, litt der Markt in Hong Kong am stärksten. Bei der Wiedereröffnung gewann die Rationalität wieder die Oberhand: Die Märkte schlossen mit einem Minus von 2,7 Prozent (lokaler Heng Sang Index) sowie mit -3,6 Prozent (MSCI China). Der A-Share Aktienmarkt dürfte sich in den nächsten Tagen wieder beruhigen. Es bleibt zu hoffen, dass der Handelsstopp künftig seinen Zweck erfüllen wird – Panik zu reduzieren anstatt sie auszulösen. Ungeachtet des jüngsten Crashs dürfte die Regierung in Peking ihr Augenmerk jetzt noch stärker auf die auf die Aktienmarkt-Reformen richten. Anders kann China das Vertrauen der Investoren kaum zurückerlangen.

China ist in Sachen Reformen nicht unerfahren. Deng Xiaoping reformierte in den frühen 1980er Jahren den Arbeitsmarkt, was zu einem Boom im produzierenden Gewerbe führte. Unter Zhu Ronggji folgte 1997 die Liberalisierung des Immobilienmarktes – davon profitierten die Projektentwickler. 2004 folgte die Liberalisierung des Rohstoffmarktes, was sich positiv auf den Bergbau und Rohstoffhändler auswirkte. Jetzt befinden wir uns mitten in der Kapitalmarkt-Liberalisierung. Damit ist die letzte Grenze des Kommunismus dabei, zu fallen. Es ist ein sehr komplexer Prozess und der risikoreichste, wenn man sich die Reformen in Vergangenheit anschaut. China wird immer gerne mit Japan verglichen, wenn es um den japanischen Aktienmarkt geht. Zwar ist die Kapitalmarktregulierung Chinas langwieriger als in Japan, wir sehen jetzt noch keine Rallye, wie sie bei Finanzmarktreformen normalerweise üblich ist. Doch die Reformen dürften letztlich nicht nur zu einem Boom bei den Banken und Brokern führen, sondern der gesamten Volkswirtschaft gut tun.

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