Berater gegen die Rürup-Rente

| Versicherungen von Robert Krüger Kassissa

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Die Rürup-Rente als private Altersvorsorge für Selbstständige feierte 2015 ihr zehnjähriges Jubiläum. Mit zunehmendem Alter dieser Produktgattung mehren sich aber auch die Kritikpunkte daran.

Über mögliche Kritikpunkte an der Rürup-Rente hat procontra bereits berichtet. Laut Rechtsanwalt Dr. Johannes Fiala beispielsweise ist die Rürup-Rente weder pfändungsgeschützt noch zur gesicherten Altersvorsorge geeignet. Der Recklinghäuser 34d- und 34h-Berater Uwe Redler hat nun in der „Capital“ weitere Gründe gegen die Basisrente aufgeführt.

Da Selbstständige ihren Verdient nie hundertprozentig kalkulieren können, „ist das Ersparte futsch, wenn die sie eine gewisse Zeit die Beiträge nicht zahlen können“, so Redler in der Zeitschrift. Ein zweiter Kritikpunkt sind die versteckten Abschlusskosten in größer Höhe. Es kann in einigen Fällen sogar noch beim Renteneintritt passieren wie beispielweise bei auf Fonds basierenden Rürup-Policen, dass das Sparguthaben deutlich unter den eingezahlten Beträgen liegt.

Unflexibel bei Vererbung

Für Redler gleichen Rürup-Verträge Knebelverträgen. Denn Kündigung oder Auszahlung eines Rückkaufswertes sind ausgeschlossen. „Zudem kann das Kapital nicht kapitalisiert, nicht beliehen, nicht übertragen und nicht veräußert werden“, so Redler in der „Capital“. Versicherungsnehmer bänden sich an den jeweiligen Anbieter des Rürup-Vertrages. „Nur in der grauen Theorie ist ein Wechsel möglich und dann mit großen Verlusten“.

Der Finanzberater bemängelt auch die Inflexibilität hinsichtlich der Vererbbarkeit. Stirbt der Rürup-Sparer während der Ansparphase ist sein Guthaben passé. Geschieht der Tod während der Auszahlungsphase, wird die Auszahlung gestoppt. „Während der sogenannten ,Rentengarantiezeit’ kann zeitlich begrenzt weiter ausgezahlt werden, das kostet allerdings extra und verringert die Grundrente“, so Redler in seinem Capital-Gastbeitrag.

Zudem funktionierten die Steuervorteile nur halbherzig. Denn diese wurden von 2005 ab gestaffelt. Beginnend mit 2005 sind Rürup-Sparer nach zehn Jahren erst bei 80 Prozent angelangt. Der Genuss der vollen steuerlichen Absetzbarkeit kommt dann erst 2025.

Steuerliche Absetzbarkeit

Ab 01. Januar 2016 erhöhen sich die Sonderausgaben, die in der Steuererklärung als Beiträge in die Rürup-Rente vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können.
Diese erhöhen sich auf zukünftig 82 Prozent statt der in 2015 möglichen 80 Prozent. Redler bemängelt in seinem Beitrag aus dem Dezember 2015 die Deckelung dieser Vergünstigung für einen Sparbetrag von höchstens 20.000 Euro. Ab 2016 gibt es aber auch hier Änderungen: Der Sparbeitrag wird von bislang 22.172 Euro für Alleinstehende und 44.3744 Euro für Verheiratete auf 22.766 Euro bzw. 45.532 Euro angehoben. Die Auszahlung Rente ist dann allerdings voll zu versteuern. Die Auswirkungen der steuerlichen Behandlung hat Aktuar Dr. Peter Schramm in einer Vergleichsrechnung Rürup- vs. Privatrente exklusiv für procontra untersucht.

Ein weiterer genannter Kritikpunkt seitens Redler ist der fehlende Pfändungsschutz, welchen Rechtsanwalt Dr. Fiala in einem procontra-Beitrag ebenfalls schon ausführlich dargestellt hat.

Für Redler lohnt sich diese Form der Altersvorsorge einzig für ältere Menschen, die einen hohen Steuersatz haben und in wenigen Jahren in den Ruhestand gehen wollen. Der Finanzberater stört sich zudem an der Art und Weise der Bewerbung dieser Rente mit Hinblick auf die schmackhaft gemachten Steuervorteile. „Mein Rat: Lassen Sie die Finger davon und kümmern Sie sich um eine lohnenswertere Altersvorsorge“, so Redlers Tipp im Capital-Beitrag. Empfehlenswerter seien ETFs, Aktien und kostengünstige Fonds.

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