Rürup wehrt sich

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Der Finanzmathematiker Werner Siepe warf mit einer Studie den Blick auf freiwillige Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für Beamte, Freiberufler und Selbstständige. Bert Rürup sieht dies als Irrweg.

Foto: Prof. em. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup, TU Darmstadt und Gründungs-Präsident des Handelsblatt Research Institute

procontra berichtete im Oktober über die Studie der VERS-Berater GmbH vom Finanzmathematiker Werner Siepe. Tenor der Studie: In Deutschland gibt es zumindest für Beamte, Freiberufler mit berufsständischer Versorgung und Selbstständige eine noch wenig bekannte Alternative zu privaten, vom Kapitalmarkt abhängigen Renten: Es ist die vielgescholtene umlagefinanzierte gesetzliche Rente.

In einer neu erschienenen Analyse des Handelsblatt Research Institute hat sich Prof. Bert Rürup dieser Idee nun angenommen. Rürup ist Gründungs-Präsident dieses Instituts. In dieser Analyse zweifelt Rürup die Berechnungen der VERS-Studie keineswegs an, aber: „Wie bei den meisten Problemen, so gibt es auch bei der Bekämpfung von Altersarmut Wege und Irrwege. Heute werben selbst Finanzmathematiker für einen Irrweg, nämlich über freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung seine Altersbezüge zu erhöhen“, so Rürup in seiner Analyse.

Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung gut

Diese Idee sei auf den ersten Blick einleuchtend und kann durchaus lohnend sein. Denn aufgrund der erfreulichen Arbeitsmarktentwicklung ist die Finanzlage der gesetzlichen Rentenversicherung gut und der Beitragssatz unerwartet niedrig. „Als Folge davon liegt die aktuelle Beitragsrendite dieses Umlagesystems bei gut drei Prozent. Hinzu kommt, dass zusätzliche Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten nicht anfallen“, schreibt Rürup.

Aber den Vorteilen zusätzlicher Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung stünden massive Risiken gegenüber. Denn trotz der erhöhten Zuwanderung der letzten Jahre und des leichten aktuellen Anstiegs der Geburtenrate drücke die irreversible Bevölkerungsalterung auf die Rentabilität und nachhaltige Finanzierbarkeit dieses Umlagesystems.

„Würden heute Sonderbeiträge in nennenswertem Umfang eingezahlt, käme es zu einer temporären Senkung des allgemeinen Beitragssatzes und damit – entsprechend der Rentenanpassungsformel – zu höheren Rentensteigerungen. Beides würde die Rendite des Systems für die Bestands-Rentner und die rentennahen Jahrgänge noch weiter erhöhen“, nennt Rürup als Vorteile.

Langfristig stellen aber die freiwilligen Zusatzbeiträge ein zusätzliches Nachhaltigkeitsrisiko für das staatliche Rentensystem dar. Die erworbenen Anwartschaften müssten von den künftig weniger werdenden Beitragszahlern bezahlt werden. Wenn die Rentenansprüche fällig werden, müsste der Beitragssatz über das derzeitige Niveau angehoben werden und das Rentenniveau stärker als geplant abgesenkt werden.

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