GGF: „bAV-Beratung ohne Steuerberater unmöglich“

bAV von Matthias Hundt

Der Gesellschafter-Geschäftsführer (GGF) nimmt in der bAV-Beratung eine Sonderrolle ein. Wie diese aussieht und warum sich Makler weitere Unterstützung sichern sollten, erklärt Ulf Kesting, Vorstand der DGbAV.

Ulf Kesting, Vorstand der DGbAV - Deutsche Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung

procontra: Wie stellt sich die Sonderrolle des Gesellschafter-Geschäftsführers (GGF) in der bAV-Beratung dar?  

Ulf Kesting: Da der Gesellschafter-Geschäftsführer in der Regel nicht rentenversicherungspflichtig ist, hat er einen erhöhten Vorsorgebedarf, den er über alternative Wege decken muss. Außerdem liegen steuerliche Aspekte im Zusammenhang mit der Unternehmensführung vor.  

procontra: Welche Rolle spielt der Status des GGFs – er kann sowohl angestellt aber auch als Unternehmer gelten.  

Kesting: Das ist eine wichtige Information und ein komplexer Sachverhalt. So kann ein GGF angestellt sein und damit den gleichen Bedingungen wie ein normaler Angestellter unterliegen. Er kann auch beherrschend an einem Unternehmen beteiligt sein und wäre damit in der Regel sozialversicherungsfrei. Der Status „beherrschend“ kann sich aber auch durch gleichgelagerte Interessen der Beteiligten ergeben, obwohl keiner eine Anteilsmehrheit hält. Dieser Komplex zeigt schon, wie individuell jeder Fall zu prüfen ist und dass der sozialversicherungsrechtliche und steuerrechtliche Status nicht immer deckungsgleich sein müssen.  

procontra: Sollte der Makler also einen Steuerberater hinzuziehen, wenn er einen GGF zur betrieblichen Altersversorgung berät?  

Kesting: Ich rate zwingend dazu. Ohne das Okay vom Steuerberater macht der GGF in der Regel sowieso keine Vorsorge. Und für den Makler ist es aus Haftungsgründen sinnvoll, da zwangsläufig steuerrechtliche Fragen aufkommen. Hier muss verhindert werden, dass der Makler in eine Rechtsberatung abdriftet.  

procontra: Setzen wir mal den Status des beherrschenden GGF voraus. Wie geht es dann in der Beratung weiter?  

Kesting: Dann geht es in erster Linie um die mögliche Höhe der Versorgung und die Erdienbarkeit der Leistungen. Letzteres bedeutet, dass der bAV-Anspruch durch das Unternehmen auch noch während der voraussichtlichen Dienstzeit erdienbar sein muss. Je älter der zu beratende Kunde ist, umso wichtiger wird die Klärung dieser Frage, weil es dabei auch um die steuerliche Anerkennung durch das Finanzamt geht.  

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