Gewerbe: Mehr Schäden durch Betriebsunterbrechung

Berater von Michael Fiedler

Globale Lieferketten steigern das Risiko und die Schadenhöhe durch Betriebsunterbrechungen, stellt eine Studie der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) fest. Makler, die Gewerbe-Kunden betreuen, müssen deren Geschäftsabläufe kennen, um die wichtigen Risiken abzusichern.

Fotolia / VRD

Betriebsstörungen und -unterbrechungen verursachen oft deutlich höhere Kosten als der reine Sachschaden, so eine Erkenntnis aus der Allianz-Untersuchung. Der Betriebsunterbrechungs-Anteil an einem Schadenfall in der Sachversicherung ist heute wesentlich höher als vor zehn Jahren. Er liegt bei derzeit über 2 Mio. EUR – und damit ein Drittel höher als der entsprechende Durchschnittswert für die reinen Objektschäden von rund 1,6 Mio. EUR.

Für die Studie („Global Claims Review 2015: Business Interruption in Focus“ PDF, englisch) wurden mehr als 1800 Betriebsunterbrechungs-Großschäden aus über 68 Ländern analysiert, die sich zwischen 2010 und 2014 ereignet haben und sich auf insgesamt über 3 Mrd. EUR belaufen. An diesen Schadenfällen war Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) entweder als Führungsversicherer oder Konsortialmitglied beteiligt.

Festgestellt wurde, dass sowohl Ausmaß als auch die Häufigkeit von Betriebsunterbrechungen zunehmen. Überwiegend würden die Schäden durch menschliche Fehler oder technisches Versagen ausgelöst – Naturgefahren spielen weniger eine Rolle.

Häufigste Ursache für Betriebsunterbrechungs-Schäden sind Brände und Explosionen: 76 Prozent der Schadenfälle in Deutschland seien darauf zurückzuführen; weltweit 59 Prozent. Betriebsunterbrechungen sind in Deutschland auch häufig die Folge von Produkt- und Designmängel, so die Studie.
„Das Ausmaß von BU-Schadenfällen wird immer gravierender – und dieser Trend wird durch die Vernetzung zwischen Unternehmen, durch globale Lieferketten und verschlankte Produktionsprozesse weiter verstärkt“, erklärt Chris Fischer Hirs, CEO der AGCS. „Waren in der Vergangenheit nur ein oder zwei Unternehmen von einem großen Brand und einer Explosion betroffen, können heute eine Vielzahl von Unternehmen, ja sogar ganze Wirtschaftszweige in Mitleidenschaft gezogen werden.“

Moderne Lieferketten sind störanfällig

Mit der Verlagerung von Produktionsstandorten habe sich auch der geographische Ursprung von Betriebsstörungen in Richtung Asien verschoben. Kommt es dort zu Zerstörungen, sind Unternehmen hier möglicherweise betriebsunfähig, weil wichtige Zulieferer ausfallen.
„Betriebsunterbrechungsrisiken steigen mit dem Grad der digitalen Vernetzung, dem Einsatz von teuren Technologien und der Konzentration von Vermögenswerten an einzelnen Standorten. Die Branchen Automobil-, Halbleiter- und Stromproduktion wie auch petrochemische Anlagen sind besonders gefährdet“, erklärt Alexander Mack, Chief Claims Officer der AGCS. „Moderne Lieferketten mögen flexibel und kosteneffizient sein, sie sind allerdings gleichzeitig in hohem Maße störanfällig. Viele Unternehmen betrachten daher mittlerweile den Einschluss von Rückwirkungsschäden als einen wichtigen Bestandteil ihres Versicherungsschutzes.“

Betriebsunterbrechung ohne Sachschäden

Der Studie zufolge, könnten nicht-materielle Schadenursachen zunehmen: Cyber-Attacken, politische Gewalt, Streiks, Pandemien oder Stromausfälle haben das Potenzial, Unternehmen enorm zu schaden, ohne dass Sachwerte oder Gebäude beschädigt werden. Gleiches gilt auch für behördliche Zugangsrestriktionen oder die Schließung von Lufträumen.

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