„Wer Rendite will, muss Volatilität akzeptieren“

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5 Trendfragen an...Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch.

Philipp Vorndran, vom Vermögensverwalter Flossbach von Storch, über Marktrisiken in 2016, die größte Herausforderung der Nachkriegszeit und neue Gesetzmäßigkeiten in einer Welt ohne Zins.

procontra: Welche Erwartungen haben Sie an die Kapitalmärkte 2016?

 

Philipp Vorndran: Am Niedrigzinsumfeld wird sich allzu bald nichts ändern. Das führt zeitweise zu kräftigen Kursschwankungen und einer wachsenden Korrelation zwischen einzelnen Anlageklassen. Anders ausgedrückt: Wenn es an den Aktienmärkten kracht, können das Anleihen erstklassiger Emittenten nicht mehr – wie in früheren Jahren geschehen – über Kursgewinne ausgleichen; nahe der Nulllinie ist das Renditepotenzial logischerweise begrenzt. Für Investoren, insbesondere die defensiv ausgerichteten, ist das die größte Herausforderung in der Nachkriegsgeschichte.

procontra: Wie wappnen Sie sich für diese Erwartungen?

Vorndran: Das Wort „wappnen“ klingt ein wenig, als stünde der nächste Crash kurz bevor. Wir sehen das anders; an unserem Weltbild – tiefe Zinsen, moderates Wachstum der Weltwirtschaft – hat sich nichts verändert, ebenso wenig an der daraus abgeleiteten Anlagestrategie: Klarer Fokus auf Qualitätsaktien, opportunistischer Ansatz bei (Unternehmens)Anleihen, dazu Gold als Versicherung gegen die uns bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems. Geduld zahlt sich aus.

procontra: Was ist für Sie das größte Marktrisiko (in 2016)?

Vorndran:
Auch wir haben keine Glaskugel, in der wir ‚schwarze Schwäne‘ sehen und erkennen können. Sicher jedoch ist, dass die Notenbanken weiter daran „arbeiten“, das Vertrauen der Menschen in ungedecktes Papiergeld zu untergraben. Außerdem wird in den USA im kommenden Jahr ein neuer Präsident, eine neue Präsidentin gewählt, wenngleich die Auswirkungen der Wahl langfristig deutlich geringer sein sollten als die Folgen der Notenbankpolitik. Das größte langfristige Risiko für Anleger ist, nicht am Aktienmarkt investiert zu sein und darauf zu hoffen, dass der Zins schon bald wieder auf frühere, aus unserer Sicht „normale“ Niveaus steigt. Die Zeiten sind leider für längere Zeit vorbei.

procontra: Welche Assetklassen und Märkte zahlten sich 2015 aus?

Vorndran: Unser Fokus auf Aktien erstklassiger Unternehmen hat sich ausgezahlt – auch wenn die Kurse mitunter kräftig geschwankt haben. Wer langfristig attraktive Renditen erzielen will, kommt in einer Welt ohne Zins nicht umhin, Volatilität zu akzeptieren.

procontra: Wovon haben Sie bewusst die Finger gelassen?

Vorndran: Von Staatsanleihen, insbesondere denen der sogenannten Euro-Peripheriestaaten. Deren Chance-Risikoverhältnis war und ist unseres Erachtens alles andere als attraktiv, auch wenn in der Peripherie zuletzt durchaus noch Performance zu machen war.

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