Solvency II: So ändern sich Anlagestrategien deutscher Versicherer

| Versicherungen von Michael Fiedler

Gilt auch bei der Anlage von Versicherungen: Nicht alle Eier in einen Korb! Fotolia /B. Wylezich

Wie werden sich die Anlagestrategien der deutschen Versicherer nach Solvency II ändern? Eine Studie von Axa Investment Managers ging dieser Frage nach.

AXA Investment Managers ließ 56 Entscheidern deutscher Versicherungsunternehmen befragen, wie sich deren Anlagestrategie unter Solvency II ändert.
Ergebnis: Die Versicherer setzen verstärkt auf Risikostreuung. In der Vorgängerstudie hatten 2012 noch 62 Prozent der Befragten angegeben, stärker diversifizieren zu wollen. Nun planen 71 Prozent der Versicherer eine stärkere Risikostreuung (Diversifikation) über Anlageklassen, Länder, Märkte und Währungen.

„Dass zunehmend mehr Versicherungsunternehmen den Nutzen einer stärkeren Diversifikation erkennen, ist eine erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Christina Böck, Head Solution Strategists Central Europe bei AXA IM, das Ergebnis der Studie. „Diversifikation ist die einfachste Möglichkeit, kapitalschonend das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios zu verbessern. Und gerade viele kleinere Häuser haben in dieser Hinsicht noch viel Potenzial. „So sind etwa Anleihen aus den USA oftmals noch unterrepräsentiert, obwohl der dortige Markt höhere Renditen bietet und größer ist als der europäische“.

Durationslücken im Fokus der Versicherer

Neben einer verbesserten Diversifikation stehen vor allem die Senkung des Portfoliorisikos sowie die Schließung von Durationslücken im Fokus der Versicherer. Beide Punkte wurden jeweils von 63 Prozent der Befragten genannt. Für Unternehmen aus dem Bereich Lebensversicherung ist das Angehen von Durationslücken sogar das wichtigste Vorhaben nach Einführung von Solvency II – 79 Prozent der Befragten aus diesem Versicherungssektor wollen ihre Asset Allocation entsprechend anpassen. Dagegen spielen die Bewegung hin zu passiven Anlagen (22 Prozent) und die Absicherung von Anlagerisiken durch Derivate (31 Prozent) für die meisten Entscheider offenbar nur eine untergeordnete Rolle. „Versicherer sollten aufpassen, dass sie damit nicht leichtfertig eine Chance vergeben“, argumentiert Böck. „Denn gerade Derivate-Overlays ermöglichen auch unter Solvency II den kapitalschonenden Einsatz riskanter Anlageklassen wie Aktien.“

Kommerzielle Immobiliendarlehen kaum genutzt

Ohnehin – auch das legen die Studienergebnisse nahe – könnte der Einsatz riskanterer, aber renditeträchtiger Anlageklassen unter den Solvenzkapitalanforderungen leiden, die mit Solvency II neu eingeführt werden. So gaben 52 Prozent der Befragten an, ihr Engagement in Aktien werde unter Solvency II abnehmen, während lediglich 12 Prozent mit einer Zunahme rechnen. Ähnlich sieht es bei der Anlageklasse Strukturierter Kredit aus. Hier rechnen 29 Prozent mit einem geringeren Engagement, aber nur 12 Prozent mit einer Zunahme der Allokation. Dagegen gaben jeweils 43 Prozent der Befragten an, sie wollten sich stärker in Unternehmensanleihen oder Infrastrukturdarlehen engagieren. 41 Prozent rechnen mit einem Ausbau ihres Staatsanleihen-Engagements. „Dies ist angesichts des andauernden Niedrigzinsumfeldes ein überraschendes Ergebnis, das sich wohl nur durch entsprechende regulatorische Anreize erklären lässt“, erläutert Böck. „Allerdings gibt es auch unter Solvency II neben den häufig genannten Staatsanleihen und Infrastrukturinvestments durchaus Anlageklassen mit günstigen Solvenzkapitalanforderungen, die weniger im Blickpunkt der Investoren stehen – und gerade deshalb interessant sein können.“ Solche Anlageklassen sind für die Expertin etwa kommerzielle Immobilienkredite (CRE Loans). Diese bieten Böck zufolge zudem interessante Renditechancen und zugleich günstige Diversifikationseigenschaften. „Für uns sind CRE Loans daher in vielen Fällen das bessere Infrastrukturinvestment“, so Böck weiter. Bisher haben das aber offenbar nur wenige Versicherer erkannt: Lediglich 13 Prozent wollen ihr Engagement in Immobiliendarlehen ausbauen.

Mit den deutlichen Veränderungen in der Portfoliostruktur gehen bei vielen Unternehmen auch Pläne einher, einen größeren Teil ihres Asset Managements an externe Manager auszulagern. 72 Prozent der Befragten gaben an, entsprechende Pläne zu hegen. Eine Reihe von Anlageklassen steht dabei besonders im Fokus: 28 Prozent der Befragten wollen das Management von Infrastrukturdarlehen outsourcen, bei Unternehmensanleihen sind es 24 Prozent, bei kommerziellen Immobiliendarlehen und Aktien jeweils 20 Prozent. Alle anderen Anlageklassen fallen demgegenüber deutlich ab. „Dass gleich zwei alternative Anlageformen in dieser Aufzählung vorkommen, ist kein Zufall: Auf diesen eher ineffizienten Märkten sind Expertise und Marktkenntnis besonders entscheidend“, erklärt Jörg Schomburg, Leiter Institutional Sales Deutschland bei AXA IM. „Gut verdeutlichen lässt sich dies am Beispiel der CRE Loans: AXA IM als europäischer Marktführer hat hier regelmäßig Zugang zu Transaktionen, die andere Akteure gar nicht erst zu sehen bekommen. Entsprechend gut sind unser Überblick über den Markt und unsere Fähigkeit, die Attraktivität der Deals einzuschätzen.“

Kompetenz bezüglich einzelner Anlageklassen sei jedoch längst nicht alles, wenn es um die Auswahl eines passenden Outsourcing-Partners gehe, warnt Schomburg: „Mindestens ebenso wichtig sind die Kompetenz des Asset Managers in Bezug auf die mit Solvency II einhergehenden Reportingpflichten sowie ein grundlegendes Verständnis für die besonderen Anforderungen von Versicherungen.

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