Herr Grünewald, sind Robo-Advisor nicht die bessere Wahl?

Investmentfonds von Matthias Hundt

Der Vorstand des Verbands der unabhängigen Vermögensverwalter, über die Digitalisierung der Investmentbranche und wo sich FinTechs zu einer ernstzunehmenden Alternative entwickeln könnten.

Andreas Grünewald, Vorstand des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV)

procontra: Wie erleben Sie als Vermögensverwalter das derzeitige Trendthema Digitalisierung?

Andreas Grünewald: Vielfältig. Im Kontakt mit unseren Kunden können digitale Kommunikationswege wertvolle Zeit sparen. Ist erst ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Anleger und Vermögensverwalter entstanden, spricht nichts dagegen, digitale Kommunikation in den Kundendialog zu integrieren. Sie ist ortsunabhängig, schnell und kostengünstig. Dadurch sind wir für unsere Kunden noch besser und unkomplizierter erreichbar. Das Angebot muss jedoch stets optional bleiben, sodass der Kunde auch jederzeit den persönlichen Ansprechpartner sprechen kann.

procontra: Um welche Prozesse geht es neben einer effizienten Kommunikation speziell in der Vermögensverwaltung?

Grünewald: Für einzelne Vermögensverwalter mag es auch interessant sein - allein oder in Kooperation - eigene digitale Lösungen zur Vermögensverwaltung zu entwickeln. Durch den geringeren zeitlichen Aufwand können so auch Anleger mit kleineren Vermögen die Expertise des Vermögensverwalters nutzen, für die sich eine individuelle Vermögensverwaltung noch nicht lohnt. Darin sehe ich jedoch eher eine Ergänzung des Angebots. Bereits heute bietet ein Teil unserer Mitglieder in Form vermögensverwaltender Fonds Lösungen für Anleger mit geringerer Investitionssumme an.

Weiteres Potenzial sehe ich im Bereich Recht und Compliance. Die Bewältigung der regulatorischen Last, unter der unsere Branche leidet, ist sehr zeitintensiv. Aufsichtsrechtliche Prozesse zu systematisieren, standardisieren und digitalisieren kann wertvolle Zeit einsparen, die für die Kundenbetreuung genutzt werden kann. Diese Standardisierung wünschen wir uns idealerweise branchenweit, weshalb wir aktuell mit einem externen Partner eine auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter zugeschnittene Organisations-Software entwickeln (Compliance Management System, kurz: VuV-CMS). Neben den regulatorischen Aufgaben möchten wir auch die Professionalisierung des komplexen Kundenkontakts unterstützen. Dazu entsteht zusätzlich eine individualisierte Customer-Relationship-Management-Software (VuV-CRM).

procontra: Welche Rolle spielt eine Kostenersparnis durch Digitalisierung?


Grünewald: Natürlich spielt das finanzielle Einsparpotenzial in vielen Bereichen eine Rolle. Uns geht es hierbei jedoch nicht um die kurzfristige Maximierung unseres Gewinns. Die höchste Priorität hat für uns die Zeitersparnis durch die Digitalisierung von Prozessen. Wenn wir diese zusätzliche Zeit für die Betreuung unserer Kunden nutzen, profitieren beide Seiten: Wir verbessern unsere Kundenzufriedenheit und die Anleger erhalten eine noch bessere Betreuung. Die Reduzierung von Kosten sollte daher nicht im Vordergrund stehen. Überzeugende digitale Lösungen zur Vereinfachung von Prozessen sind außerdem oft mit sehr hohen Kosten für die Entwicklung und Anpassung verbunden. Daher sind erst Ausgaben nötig, um später dadurch Zeit und Geld im Geschäftsalltag sparen zu können.

In erster Linie entstehen momentan erste Finanz-Technologien, die den Mensch in Zukunft überflüssig machen sollen. Das Ziel der sogenannten Robo-Advisors ist es, menschliche Vermögensverwalter durch mathematische Modelle zu ersetzen und sämtliche Prozesse digital abzubilden – vom ersten Beratungsgespräch bis zur eigentlichen Vermögensverwaltung.

Seite 1: Digitalisierung der Investmentbranche
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