Infinus-Prozess: Biehl als Zeuge

Sachwerte Top News von Robert Krüger Kassissa

Während die Anklage für den Strafprozess noch geschrieben wird, soll FuBus-Hauptgesellschafter Jörg Biehl gegen seine ehemaligen Infinus-Manager aussagen. Die Infinus-Anwälte sprechen derweil von einem Justizskandal.

Die Infinus-Party ist vorbei: Der schnelle Weg ins Millionengrab
Von reichen Männern und schönen Frauen, von teuren Autos und wertvollen Waffen und nicht zuletzt von geprellten Anlegern und verhafteten Managern handelt die Geschichte der Infinus. Wie alles begann und wie es in der Zukunft weitergeht, erklären wir in dieser Bilderstrecke. © nyul - Fotolia.com
 

Der Dresdner Oberstaatsanwalt Lorenz Haase erarbeitet derzeit die Anklageschrift im Fall Infinus (procontra berichtete). Die in Verdacht stehenden Infinus-Manager sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft und genau dies ist nach Meinung der Infinus-Anwälte das Problem. Sie sehen in dem Verfahren eine „unsägliche Verquickung von Ermittlern, Staatsanwälten, Richtern und Insolvenzverwaltern“ wie die Sächsische Zeitung berichtet. Der Rechtsanwalt von Infinus-Aufsichtsrat Siegfried Bullin, Martin Wissmann, sieht sogar „Willkür“.

Bullin sitze nunmehr wie die anderen seit 18 Monaten ohne handfeste Beweise in Untersuchungshaft. Beschwerden des Anwalt bis hoch zum Sächsischen Verfassungsgerichtshof seien abgelehnt worden, „um einen Justizskandal zu verhindern“. Die klassischen Haftgründe wie eine Fluchtgefahr lägen bei Bullin nicht vor. Der Anwalt verweist auf das Totschlag-Verfahren gegen den ehemaligen SED-Vorsitzenden Egon Krenz. Auch dessen U-Haft war trotz höherer Straferwartung und gegebener Fluchtmöglichkeiten bereits nach 18 Tage beendet.

Insolvenzverwalter Ehemann der Vizepräsidentin
Ebenso haben die Anwälte von Jörg Biehl (Ulf Israel) und von Andreas Kison Zweifel am Verfahren. So sagte Israel der Sächsischen Zeitung: „Wenn einer der Infinus-Insolvenzverwalter der Ehemann der Vizepräsidentin des Oberlandesgericht ist, wie kann man da noch mit einer fairen Entscheidung rechnen?“

Der Kison-Anwalt sagte bereits im März, der auf rund 1,7 Milliarden Euro geschätzte Schaden sei auch nur deshalb entstanden, weil die Staatsanwaltschaft durch die Razzia im November 2013 die Firmengruppe zum Einsturz brachte. „Ich muss schmunzeln, dass ausgerechnet die Verteidiger mit dem ewig gleichen Neidargument gegen die Insolvenzverwalter hausieren gehen“, wird der Dresdner Landgerichtssprecher Ralf Högner von der Zeitung zitiert. Die Staatsanwaltschaft und das Landgericht halten die Anschuldigungen seitens der Infinus-Verteidiger für „abwegig“ und „nicht nachvollziehbar“.

Aufmacherfoto (oben): Landgericht Leipzig

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