Negative Zinsen breiten sich aus

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Pimco: Am Geldmarkt fällt das Zinsniveau immer tiefer. Auch bei immer mehr Staatsanleihen mit mittlerer und langfristiger Laufzeiten liegt der Zins unter null. Analysten zweifeln an der Zinswende.

In immer mehr Ländern ist das Phänomen negativer Zinsen zu beobachten. Hierauf weist Pimco, der größten Anleiheinvestor der Welt, hin. In der Schweiz habe sogar die Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit seit einiger Zeit eine negative Rendite (siehe Tabelle). In Deutschland seien derzeit alle Anleihen bis zu knapp sechs Jahren Laufzeit unter der Nulllinie.

Zinsniveau im Euroraum

Auf Anfrage sagte Andrew Bosomworth, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei Pimco: „Das Zinsniveau im Euroraum ist zuletzt insgesamt nochmals deutlich gesunken. Auch Länder wie Italien, die man immer noch zu den Peripheriestaaten zählt, weisen inzwischen bei kurzen Laufzeiten negative Zinsen auf.“ Der Anleihe- und Zins-Profi ist überzeugt: „Die Exzess-Liquidität im Geldmarkt beträgt derzeit knapp mehr als 500 Milliarden Euro und wird durch das EZB-Anleihenkaufprogramm auf über eine Billion Euro steigen. Diese Liquidität wird die Geldmarktzinsen noch weiter in negatives Territorium treiben.“

 

Negative Zinsen auf Staatsanleihen
LandRendite in %Laufzeit in Jahren
Schweiz-0,2410
Deutschland-0,233
Finnland-0,193
Österreich-0,183
Belgien-0,183
Niederlande-0,183
Slowakei-0,123
Frankreich-0,113
Dänemark-0,332
Irland-0,182

 Quelle: Pimco

Vor diesem Hintergrund erscheint auch die jüngste Äußerungen Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG, gegenüber procontra-online.de nicht völlig abwegig zu sein. Albrecht hält auch in den USA negative Zinsen für möglich. Auf jeden Fall scheint die breite Front an Vermögensverwaltern, die von einer Leitzinserhöhung in den USA noch in diesem Jahr ausgeht, zu bröckeln. Nach Auffassung der Analysten der Finanzwoche beflügelt die Aussicht auf eine Absage der Zinswende in den USA aktuell die Aktienkurse. Und in Europa habe die Bank of England bereits klargestellt, „dass sie die Zinsen nicht erhöhen, sondern sie notfalls senken oder ein neues QE-Kaufprogramm für Anleihen (= Gelddrucken) starten wird. Grund: Rückläufige Frühindikatoren weltweit“, so die Analysten.

Fazit: Das anhaltende Dauerzinstief an den Geld- und Kapitalmärkten hält an. Statt einer Zinswende nach oben, wird ein Verharren auf niedrigem Niveau immer wahrscheinlicher.

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