BU: Systematische Leistungsverweigerung?

| Versicherungen | Top News von Robert Krüger Kassissa

Selbst wer zu den glücklichen BU-Versicherten zählt, ist im Leistungsfall noch lange nicht auf der sicheren Seite. Welche Rolle Quoten, die Beratung und Versicherer-Schelte für den BU-Leistungsfall spielen.

Die Versicherer verweigerten systematisch Leistungen, so der prinzipielle Vorwurf einiger Publikumsmedien wie „Spiegel“ oder auch der ARD. Doch wie so oft steckt der Teufel im Detail. Details, die Publikumsmedien angesichts ihrer Zielgruppe, die breite Masse, oftmals ausblenden (müssen) oder nicht erfassen (können).

Der „Spiegel online“-Beitrag „Berufsunfähigkeit: Hier haben Versicherte die besten Chancen auf ihr Geld“ vom 14. August 2015 enthält eine BU-Leistungsquoten-Tabelle aus dem Hause Morgen & Morgen. Allerdings verliert der „Spiegel“ kein Wort darüber, wie die Daten in dieser Tabelle zustande kommen. Dies ist aber in diesem Fall und auch sonst natürlich keineswegs unwichtig.

„Mit der M&M-BU-Leistungsquote soll bewertet werden, inwieweit der Versicherer Leistungsfälle anerkennt. Die Quote bestimmt sich aus der Anzahl der anerkannten Leistungsfälle in Prozent der beantragten Leistungsfälle“, so Peter Schneider, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. Von der Grundgesamtheit (Anzahl der beantragten BU-Leistungsfälle gesamt) werden die Fälle abgezogen, bei denen keine BU-Leistung gezahlt wird, weil sich der Kunde nicht mehr zurückmeldet oder etwa nach einem Telefonat erst gar keinen schriftlichen Leistungsantrag einreicht. Die entsprechenden Zahlen werden von Morgen & Morgen jährlich bei den Versicherern abgefragt. Sowohl die Leistungs- wie auch die Prozessquote mittelt das Analysehaus über die letzten drei Jahre, um Schwankungen auszugleichen.


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Das Für und Wider von Quoten

Verbraucher und Makler brauchen Orientierung in einer immer komplexer werdenden Produktwelt, von daher ist die Herangehensweise über Quoten nachvollziehbar. Leider veröffentlicht aber Morgen & Morgen nicht die absolute Zahl der Leistungsanträge. Nur dann bekommt die Quote aber Aussagekraft. Denn je geringer die absolute Zahl der Leistungsanträge ist, desto geringer auch die Aussagekraft der Quote. „Wir nehmen hier derlei Statistiken, die auf freiwilligen Angaben beruhen, zwar zur Kenntnis. Für die Beratung und Vermittlung halte ich sie für irrelevant: Wenn unsere Kunden in 5, 10 oder 15 Jahren berufsunfähig werden – was nutzt ihnen dann das Wissen um eine Leistungs- oder Prozessquote aus dem Jahr 2012 oder 2013?“, sagt der Makler und BU-Spezialist Matthias Helberg.

Und Franke und Bornberg geht einen anderen Weg. „Eine reine Abfrage von Zahlen oder Quoten bei den Unternehmen lehnen wir ab, da jene unserer Auffassung nach von außen nicht überprüfbar sind. Darüber hinaus stellt sich das Problem einer einheitlichen Berechnungssystematik und damit der Vergleichbarkeit über alle Häuser hinweg“, so Geschäftsführer Michael Franke. Zur Beurteilung des BU-Geschäfts ermittelt Franke und Bornberg auch Zahlen und Quoten von den Versicherern. „Dabei geben wir Definition und Berechnungsverfahren der Quoten vor und sorgen so für Vergleichbarkeit und Objektivität. Berücksichtigt werden zudem Besonderheiten der verschiedenen Gesellschaften, zum Beispiel in Bezug auf die Bestandszusammensetzung oder den Neugeschäftsanteil, um die Aussagekraft der ermittelten Werte und die Vergleichbarkeit sicherzustellen“, so Franke. Zudem finde eine Überprüfung von Zahlen und Fakten durch Stichproben vor Ort, also bei den Versicherern, statt.

„M&M verfügt bezüglich der BU-Bestände der Versicherer über eine einzigartige Datenbasis. Die M&M-BU-Leistungsquote ist die einzige marktweit erhobene und veröffentlich-te Quote zu der BU-Leistungsfallpraxis. Besonders für größere Versicherer gibt diese einen guten Anhaltspunkt zum Thema BU-Leistungsregulierung und sollte bei der BU-Beratung und der Auswahl des Versicherers berücksichtigt werden“, führt Schneider zur Heransgehensweise über abgefragte Quoten aus.

Seite 1: Argumente für und wider von BU-Leistungsquoten
Seite 2: Prozessquoten und vorvertragliche Anzeigepflichten

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