BU: „Risikovoranfragen sind ausschlaggebend“

Versicherungen von Robert Krüger Kassissa

Berufsunfähigkeitsexperte Matthias Helberg über Leistungsquoten, warum BU-Versicherer in Medien so schlecht wegkommen, wie er seine Auswahl trifft und warum bestimmte Versicherer in Maklerkreisen einen schlechten Ruf haben.

Foto: Makler Matthias Helberg (rechts) bei der Verleihung des comdirect finanzblog awards 2014

procontra: Der „Spiegel online“-Beitrag „Berufsunfähigkeit: Hier haben Versicherte die besten Chancen auf ihr Geld“ prangert die schlechte BU-Schadensregulierung der BU-Versicherer an. Teilen Sie diese Ansicht?

Matthias Helberg: Ich habe den Artikel nicht so genau vor Augen, aber Fakt ist, dass es nicht einfach ist, seine Leistung im BU-Fall durchzusetzen. Kunden, die dies allein versuchen, haben es schwer. Viele geben auf dem Weg zur Leistung aus welchen Gründen auch immer auf.

procontra: Generell scheint ja BU-Versicherer-Bashing derzeit wieder ziemlich en vogue zu sein. Auch ein aktueller TV-Bericht des Hessischen Rundfunks wirft den Versicherern unter anderem vor, sich mit beauftragten Gutachten „systematisch um Leistungen zu drücken“. Was sagen Sie zu solchen Medienberichten?

Helberg: Meine Wahrnehmung ist nicht so. Man muss schon etwas mehr differenzieren. In unserem Bestand werden keineswegs standardmäßig Gutachten beauftragt. Es ist natürlich schwer, ausgehend vom eigenen Kundenstamm auf allgemeine Zustände zu schließen. Gutachten kosten den Versicherer aber auch Geld, und sie werden eigentlich nur gemacht, wenn wirklich Zweifel am Vorliegen einer Berufsunfähigkeit bestehen. Dass sich dann zumindest hier und da einige Gutachter bei diesen Auftragsgutachten gegenüber ihren Auftraggebern erkenntlich zeigen, ist nicht auszuschließen.

procontra: Warum wird das medial so aufgebauscht?

Helberg: Es ist wie so oft in der Versicherungsbranche und ihrer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Es ist der Umgang mit den großen Zahlen. Bei rund 17 Millionen BU-Verträgen hierzulande würden (angenommene) 1.700 Problemfälle, in denen es für die Kunden nicht gut läuft, eben nur 0,01 Prozent ausmachen. Das ist sicherlich immer noch zu viel, aber angesichts der Gesamtzahl der Verträge relativiert sich das doch wieder. Wer sich diese Relation nicht klarmacht, kann schnell den Eindruck bekommen, der Problemfall für den Kunden sei der Normalfall.

procontra: Haben Sie für Ihren Bestand mal so eine Art Leistungsquote ermittelt?

Helberg: Wir liegen bei fast 90 Prozent Anerkennung.

procontra: Wie reagieren Sie im Beratungsgespräch, wenn Kunden Ihnen mitteilen, dass eine BU für sie zwar wichtig sei, sie aber trotzdem nicht abschlössen, denn im Falle des Falles drücke sich der Versicherer sowieso?

Helberg: Wir dokumentieren einige BU-Leistungsfälle auch auf unserer Homepage und können unter anderem damit den Kunden zeigen, dass dies ein falscher Eindruck ist. Auch wir können nie ausschließen, dass es mal Probleme gibt, aber wir arbeiten beispielsweise in puncto vorvertragliche Anzeigepflicht so, dass sich das Risiko sehr minimiert. Der letzte Fall einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung ist bei uns schon neun Jahre her.

Seite 1: Der Umgang mit den großen Zahlen
Seite 2: Wie Makler Helberg aussortiert

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare