Vermittlersterben in D - aber Makler werden mehr

Berater Top News von Stefan Terliesner

Deutsche Verrechnungsstelle nennt Provisionspolitik der Versicherer als Grund. Zahl der Makler steigt. Diese können durch eine aufwandsbezogene Vergütung ihre Einnahmen steigern.

Foto: © Photographee.eu

Seit 2011 sind 23.760 Vermittler aus dem deutschen Markt ausgeschieden. Diese Zahl nannte die Deutsche Verrechnungsstelle für Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (dvvf). Verantwortlich dafür macht die dvvf die Produktgeber: „Die Provisionspolitik der Versicherer rafft in Deutschland zweieinhalb Mal mehr Vermittler dahin als die Einführung des Provisionsverbots in England!“ 

Mehr Makler

Laut Pressetext konnten sich unter den Vermittlern die Makler noch relativ gut behaupten, da deren Anzahl im Betrachtungszeitraum um 1.810 Köpfe gestiegen sei (siehe Grafik). Ursache hierfür sei, dass sich Ausschließlichkeitsvermittler als Makler niederlassen, statt aus dem Markt auszuscheiden.


Quelle: dvvf auf Basis der Statistiken des DIHK

Michael A. Hillenbrand, Vorstand der dvvf ist überzeugt, dass in Deutschland eine zweite Welle der Marktbereinigung bevorsteht: „Die Versicherer haben die Einführung des Lebensversicherungsreformgesetztes genutzt, um die Provisionen deutlich zu reduzieren. Nachdem in 2014 vor allem die Ausschließlichkeitsorganisation betroffen war und alleine in diesem Jahr 7.370 gebundene Vermittler den Markt verlassen haben, beginnen sich nun auch die Klagen bei den Maklern zu häufen. Sie alle haben nun die neuen Courtagezusagen der Versicherer erhalten und sehen nun, wie einschneidend die Änderungen sind.“

Honorarmodelle als Ausweg

Doch es gebe einen Ausweg. Der britische Markt habe gezeigt, dass sich Honorarmodelle umsetzen lassen, und dass die dortigen Makler heute viel größeren Wert auf kosteneffiziente Produkte legen als dies früher der Fall war. Das hat dazu geführt, dass die Kunden heute wesentlich günstigere Versicherungs- und Finanzprodukte erhalten. Das ist auch logisch, schließlich treibt der Produktpreis nicht mehr unmittelbar die Vergütung des Maklers, so wie das heute noch in Deutschland ist.

Hillenbrand zufolge steigen in Großbritannien die Einnahmen der Makler seit Einführung des Provisionsverbotes im Vergleich zum alten Courtagemarkt. Das könne sich auch in Deutschland so einstellen, denn das Verhältnis von Maklervergütung zum Preis des Finanzproduktes sei nicht mehr starr. Der Makler könne aufwandsbezogene Vergütungen vereinbaren, was im Zweifel darin gipfelt, dass die Beratungs- und Betreuungsgebühr für einen Versicherungsvertrag höher sei als die Versicherungsprämie selbst.

Dazu Hillenbrand: „Das ist nicht verkehrt, denn warum sollte ein Lebensversicherungskunde die Beratung von vier oder fünf anderen Kunden, die nichts abgeschlossen haben, mitbezahlen, oder die von weiteren zehn Privathaftpflicht- oder Kfz-Versicherungskunden, die zwar abgeschlossen haben, aber bei denen Aufwand und Ertrag nicht stimmen? Das macht doch keinen Sinn“, so Hillenbrand. Info des Autors: Die dvvf bietet Dienstleistungen rund um Honorarmodelle an. Insofern trommelt Hillenbrand hier auch in eigener Sache. Zu prüfen wäre zum Beispiel, wie viele Vermittler altersbedingt aus dem Markt ausgeschieden sind.


  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare