Sonderbar, wer Honorar-Finanzanlagenberater ist

Berater von Frank Frommholz

Politik und Verbraucherschützer versuchen seit Jahren, die Honorarberatung als alternative Beratungsform zur provisionsbasierten Beratung zu etablieren. Doch: Die Zahl der Honorar-Finanzanlagenberater (Paragraf 34h), liegt gerade mal bei 100. Woran liegt das?

Foto: © Denis Junker

Ein Gastbeitrag von Frank Frommholz

Von Seiten der EU wurde zeitweise erwogen, analog zu anderen Ländern, ein Provisionsverbot einzuführen. Brüssel wird ab 2016 den Begriff der „unabhängigen“ Beratung auf honorarbasierte Beratungsformen strikt eingrenzen. Seit dem 1.8.2014 ist in Deutschland das Honoraranlageberatungsgesetz in Kraft. Die Zahl der Honorar-Finanzanlagenberater, für die eigens der Paragraf 34h der Gewerbeordnung (GewO) geschaffen wurde, lag per 1. Juli dieses Jahres gerade mal bei 100. Zum Vergleich: Ihnen stehen mehr als 36.000 Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f GewO gegenüber. Im KWG-regulierten Segment sieht es ähnlich aus: Derzeit bieten nur zwei Banken und 15 Finanzdienstleistungsinstitute eine dem Gesetz entsprechende Honorar-Anlageberatung an.

Idealist ist, wer den §34h GewO wählt

Honorarberatung ist für wirklich unabhängig beratende Berater ein wichtiges Schlagwort. Trotz der Unzulänglichkeit des Begriffes (wer berät schon über Honorar?) wird Offenheit und Transparenz ausgedrückt. „Der § 34h ist eine klare Abgrenzung zu Mischmodellen“, sagt beispielsweise der 34h-ler Lothar Eller. Diese Marktnische mit geschätzt ca. 1 Prozent Marktanteil in der Finanzberatung wird durch den Transparenztrend in Verbindung mit der stark steigenden Bedeutung des Internets erheblich an Einfluss gewinnen. „Transparenz bedeutet auch, die Interessenslage des Beraters zu kennen. Und nur beim Honorar-Finanzanlagenberater kann der Mandant hundert Prozent sicher sein: Der Berater ist wirklich unabhängig und steht auf der Seite des Mandanten“, so Diplom-Kauffrau Elgin Gorissen-van Hoek, seit 20 Jahren Honorarberaterin in München.

Unsicherheit über die Begrifflichkeit besteht aber selbst bei den Aufsichtsbehörden: „Da es sich um einen sehr komplexen Sachverhalt handelt, sollten Sie diesen vielleicht direkt mit dem zuständigen Wirtschaftsministerium abklären“, antwortete man dem Honorar-Finanzanlagenberater Guido Ludwig zu einer Auslegungsfrage. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint, wusste schon Tucholsky. So ist als politischer Kompromiss mit obigem Gesetz nur der Geldanlagebereich reguliert worden, die steuerliche Gleichbehandlung unterblieb und eine Bandwurmbezeichung schreckt Interessenten eher ab. Insgesamt durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, aber handwerklich schlecht gemacht.

Offensichtlich klug ist, wer den §34f GewO wählt

Die Finanzanlagenvermittler nach §34f GewO sind in der aktuellen Situation wesentlich flexibler. Der Begriff „Honorarberatung“ ist nach Ansicht vieler Juristen weitgehend frei verwendbar. So können Mischmodelle fast ohne Nachteile mit dem 34f praktiziert werden. Also nur Vorteile. Warum sollten Berater dann die erheblichen Einschränkungen des 34h akzeptieren? „Für meine Kunden kann ich damit dokumentieren und unterstreichen, dass unser Geschäftsmodell ausschließlich im Auftrag und für Rechnung des Kunden ausgeführt wird. Das ist dann 100 Prozent gesetzlich geregelte Honorarberatung gegenüber dem 34f“, erklärt Thomas Lau.

Der Honorar-Finanzanlagenberater Reiner Braun ergänzt: „Interessenskonflikte und Fehlanreize durch hohe Provisionszahlungen entfallen bei einer Zulassung nach §34h GewO. Der Gesetzgeber hat bewusst als letzten Wortbestandteil -berater und nicht wie beim 34f -vermittler gewählt: Für mich ein ganz wesentlicher Unterschied.“ Carsten Skop will sich mit seiner 34h-Zulassung abgrenzen vom „kurzfristigen Verkauf und auf maximale Provisionserlöse ausgerichteten Bank- und Versicherungsvertrieben.“ „Der Unterschied für den Kunden liegt eindeutig in der Unabhängigkeit gegenüber Dritten und dem Verzicht auf jegliche Provisionen. Und wenn doch welche fließen, dann gehen diese zu 100 Prozent an den Kunden zurück“, argumentiert zudem Volker Hildebrand. „Als freier Finanzplaner und freier Vermögensmanager war für mich klar, auch ein nach außen sichtbares gesetzliches Zeichen zu setzen: Jürgen Gramer Finanzstrategien arbeitet ausschließlich auf Honorarbasis.“

Vorausschauend ist, wer sich frühzeitig den Herausforderungen stellt

„Sonderbar ist, wer Honorar-Finanzanlagenberater sein will“, stellt Frerk Frommholz aus Hamburg fest. „Ich könnte mir den aktuellen Berateralltag mit dem 34f viel leichter machen, aber ich bin gerne etwas sonderbar und will mich schon jetzt für die Zukunft gut aufstellen.“ Frappierend ist, wie sich die Entwicklung in England mit einigen Jahren Verzögerung nun in Deutschland wiederholt. Ob das letztendlich zum gleichen Ergebnis führt (Provisionsverbot) bleibt dahingestellt. Der Megatrend Transparenz in Verbindung mit der beherrschenden Rolle des Internets wird die unabhängige Finanzberatung auf Honorarbasis aber unweigerlich ganz erheblich voranbringen. Ob gewollt oder kritisiert, ob Freund oder Feind, ob wirtschaftlich gut oder schlecht: Es wird so kommen.

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