„Mehr Bürokratie verbessert nicht den Anlegerschutz“

| Investmentfonds von Stefan Terliesner

Christian Gürtler, Managing Principal Capital Markets bei Capco

Christian Gürtler, Managing Principal Capital Markets bei der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Capco, über die Risiken und Chancen von MiFID II.

procontra: Herr Gürtler, welches Ziel verfolgt die EU-Kommission mit der EU-Marktrichtlinie MiFID II?

Christian Gürtler:
MiFID II soll Antworten finden auf: Wie verbessert man den Anlegerschutz? Wie bringt man Licht in verdeckte Handelsströme? Wie beherrscht man die die Risiken von Finanzinnovationen? Welche zusätzlichen Rechte braucht die Aufsicht? Welche Standards regeln die Datenflut?

procontra: Die Richtlinie sollte 2016 in Kraft treten. Jetzt wird 2017 avisiert. Bleibt es dabei?

Gürtler: Durch die Umsetzung in nationales Recht kann es Verzögerungen geben. Deutschland hat jedoch schon wichtige Vorarbeiten geleistet. Auch wenn es noch Diskussionen zwischen Aufsicht ESMA, Parlament und Kommission gibt, gehen wir nicht von einer Verschiebung aus.

procontra: Wo gibt es noch Klärungsbedarf?

Gürtler: Insbesondere bei der provisionsbasierten Beratung wird der ESMA vorgeworfen, durch strenge Regelauslegung auf ein de-facto Verbot abzuzielen. Zum einen geht es darum, welche Zuwendungen an abhängige Finanzdienstleister noch zulässig sind und wofür sie verwendet werden dürfen. Zum anderen ist nicht geklärt, wann und wie erhaltene Provisionen dem Kunden offenzulegen sind. Angedacht ist hier ein jährlicher Ausweis auf Euro und Cent. Darüber hinaus sind die qualitativen Anforderungen an die unabhängige Beratung bzw. Vermögensverwaltung noch nicht sehr konkret.

procontra: Die ESMA fordert, dass Provisionen im Wertpapierbereich geeignet sein müssen, die Qualität der Dienstleistung für den Kunden zu verbessern. Was würde das in der Praxis bedeuten?

Gürtler: Abhängige Anlageberater müssen den Nachweis antreten, dass erhaltene Provisionen zu einer Verbesserung der Dienstleistung am Kunden führen. Dies kann durch eine breite Palette an Produkten verschiedener Anbieter gewährleistet werden, zusammen mit technischen Lösungen etwa zur Verbesserung der Anlageentscheidung und Portfolio-Überwachung. Alternativ könnten dem Kunden eine fortlaufende Eignungsprüfung der getätigten Anlagen oder eine Beratung zur Asset Allokation angeboten werden. Insgesamt dürfen die erhaltenen Provisionen nicht wesentlich die Kosten solcher zusätzlichen Leistungen übersteigen.

procontra: Welche Position vertritt die deutsche Aufsicht, die MiFID II ja umsetzen muss?

Gürtler: Die BaFin plädiert für ein Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung. Dem in Deutschland eingeführten Honoraranlageberatungsgesetz ist zwar bisher nur mäßiger Erfolg beschieden und der Großteil der Finanzdienstleister baut immer noch auf die Provisionsberatung, jedoch könnten verschärfte Regeln für die §34(f) GewO Lizenz dies schnell ändern. Wir erwarten eine wortgetreue Auslegung von MiFID II. Ein erster Entwurf wird im vierten Quartal dieses Jahres erwartet. [...]

Das komplette Interview lesen Sie in der Oktober-Ausgabe der kommenden procontra

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