ITA-Index: „Das war einfach nicht schlau“

Berater Top News von Matthias Hundt

Das ITA-Institut verteidigt seinen Index über die FinTech-Szene. procontra wollte die Sicht eines bewertenden Unternehmens in Erfahrung bringen. Christian Wiens von GetSafe im Gespräch

Christian Wiens, Mitgründer von GetSafe

Der ITA Transparenz-Index für FinTechs warf die Fragen auf, welche Motivation dahinter steckt und inwieweit eine Bewertung frei von Interessenskonflikten sein kann. ITA-Gründer Dr. Mark Ortmann verkaufte sein Institut an HitFox/FinLeap, gleichzeitig sicherte man sich dort das Know-how von Dr. Mark Ortmann in Sachen Versicherungen, um den digitalen Versicherungsmakler Clark aus dem Boden zu stampfen.
Das gelang und Ortmann räumte offiziell seinen Stuhl bei Clark. Wenige Wochen später bewertet er in Funktion des ITA-Gründers die FinTech-Szene. procontra sprach mit Christian Wiens, Mitgründer und CEO von GetSafe. GetSafe, ebenfalls ein „digitaler Versicherungsmakler“ lieferte einst die Vorlage für Clarks Geschäftsmodell.

procontra: Das ITA-Institut hat einen Transparenz-Index für FinTech-Unternehmen veröffentlicht. Welche Auskünfte mussten Sie als bewertetes Unternehmen dazu geben?
 
Christian Wiens: Gar keine. Wir wussten nicht, dass eine solche Markterhebung stattfindet. Wir wurden Stand heute auch nicht über die Ergebnisse informiert. Transparenz-Index ist auch etwas hochgegriffen. Im Prinzip hat sich das ITA lediglich die Webseite angeschaut.

procontra: Wie bewerten Sie Ihr Ergebnis von „gut“?

Wiens:
Es lässt keine Aussagekraft über unsere Dienstleistung zu. Unser Produkt ist eine App und keine Webseite. Um unser Produkt und unsere Leistungen beurteilen zu können, müsste man die App selbst testen und sich nicht die Webseite anschauen. Das gilt auch für eine Reihe anderer Testkandidaten.

procontra:
GetSafe wurde beim Punkt „Erfüllung der rechtlichen Vorschriften“ mit „befriedigend“ abgestraft. Wo müssen Sie konkret nachbessern?
 
Wiens:
Das würden wir gern vom ITA-Institut erfahren. Wie gesagt, bislang hatten wir dazu keinen Kontakt.  

procontra:
Das ITA-Institut gehört HitFox/FinLeap. Zu HitFox/FinLeap gehört auch Clark. Zudem war Dr. Mark Ortmann bei Clark tätig und bewertet nun mit seinem ITA-Institut seinen früheren Arbeitgeber und deren Konkurrenten. Überrascht, dass Clark als eines von nur sechs Unternehmen ein „sehr gut“ erhalten hat?
 
Wiens: Das mag schon berechtigt sein. Da will ich auch nicht mutmaßen. Aber der Index und die Verflechtungen der Personen und Gesellschaften haben schon einen ordentlichen Beigeschmack. Ich denke es ging vorrangig darum, ein Siegel zu kreieren mit dem man dann wirtschaftlich agieren kann.

procontra:
Ist das nachvollziehbar?

Wiens: Durchaus. In Startup-Kreisen gilt der Kauf des ITA-Instituts als geschickter Schachzug, mit dem man sich Know-how und Vertrauen eingekauft hat. Nachvollziehbarer wäre es nun aber Versicherungstarife zu bewerten. Bei der jetzigen Bewertung kann sich das ITA-Institut sicher nicht von Interessenskonflikten freimachen. Das war einfach nicht schlau und schadet eher seiner Glaubwürdigkeit.

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